"Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Dieser alte linke Glaubenssatz, den inzwischen auch die Neonazis für ihre Ziele nutzen, scheint auch den Linken-Abgeordneten Diether Dehm beseelt zu haben, als er im Auto aus seinem Italienurlaub einen afrikanischen Flüchtling im Kofferraum nach Deutschland schmuggelte. Was gegen Atomkraft und im Kampf um besetzte Häuser skandiert und auf weiße Bettlaken gesprayt wurde, kann nicht falsch sein! Und ist es doch. Grundfalsch.

Denn der Spruch begeht den gleichen Fehler, dem auch der Abgeordnete aufsaß: Er verquirlt juristische und moralische Kategorien. In der Anmaßung, ethisch rechtmäßig zu handeln, hat Dehm bewusst geltendes Recht gebrochen, obwohl er als Abgeordneter den Eid schwor, Recht und Gesetz zu achten. Stiller Widerstand ist Dehms Sache ohnehin nicht. Wenn es ihm um den Flüchtling gegangen wäre, hätte er aus seinem Feriendomizil, wo die Linke gerne zu frischen Blattsalaten das Lied von den Moorsoldaten trällert, den Jungen, der zu seinem Vater will, mitgenommen und geschwiegen. Aber Dieter Dehm sucht die Show im Prozess und hat deswegen ausgerechnet den CSU-Haudegen Peter Gauweiler als Anwalt engagiert, den er als "Blutsbruder" bezeichnet. Dehm wird womöglich seine parlamentarische Immunität verlieren, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Leider bleibt der Politiker auch immun gegen die Einsicht, dass er den Flüchtlingen mit dieser Aktion im Ganzen gesehen keinen wirklichen Dienst erwies. Er sagt, er sei mit sich im Reinen. Es geht also wieder mal nur um ihn.