Etliche Überstunden, wenig Lohn, schäbige Unterkünfte – als die ZEIT vor einem Jahr Artikel über die Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft veröffentlichte, war die Kritik harsch. Wirtschaftsminister Gabriel brachte daraufhin eine Selbstverpflichtung auf den Weg. 18 Unternehmen unterzeichneten und versprachen Besserung. Doch nach einem Jahr hat sich wenig getan. Das geht aus einem Bericht hervor, den Branchenvertreter Mitte dieser Woche an Gabriel übergaben. Noch immer ist die Hälfte der Arbeiter bei Subunternehmern angestellt. Es handele sich jetzt aber um deutsche Verträge, heißt es seitens der Arbeitgeber, die Arbeiter seien nun unfall-, renten- und krankenversichert.

Das bezweifeln Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte und Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. "Nach unseren Informationen ist noch immer ein nicht unerheblicher Anteil der Arbeitnehmer entsendet", sagt Brümmer. Das bedeutet, dass sie weiterhin nach den Gesetzen ihrer Heimatländer beschäftigt werden. "Die Selbstverpflichtung ist reine Fassade", urteilt Reim. Das Ministerium verlässt sich nicht allein auf die Selbstverpflichtung, es hat fünf Stellen für die Beratung der Arbeiter geschaffen. Außerdem soll ein im Juni auf den Weg gebrachtes Gesetz Werkverträge schärfer regulieren.