Der Schauspieler Florian David Fitz verrät, wie er Prüfungen meistert.

DIE ZEIT: Herr Fitz, ist die Zeit der Prüfungen nach dem Abitur endlich vorbei?

Florian David Fitz: Nein, es kommen immer neue Prüfungen. Das lasse ich auch jemanden in meinem Film Der geilste Tag sagen: "Wenn ich mal den Führerschein habe, wenn ich mal das Abitur habe, dann kann ich leben, dann geht’s los." Wenn man kapiert, dass diese Kette von Aufgaben nie endet, lernt man, nicht in Zielen zu denken, sondern in Wegen.

ZEIT: Ihr Weg führte Sie nach dem Abitur erst mal in die USA. Wie lief die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Boston?

Fitz: Die habe ich gar nicht mehr als so aufregend in Erinnerung. Ich musste vorsingen und vorsprechen, das war eher deshalb aufregend, weil es ganz anders war als meine Welt damals. Die Prüfung war sogar noch vor dem Abitur, und ich bin da so naiv rangegangen, dass ich fast keine Angst hatte.

ZEIT: Je mehr man über eine Prüfung nachdenkt, desto schwieriger wird sie?

Fitz: Ja. Bei Castings zum Beispiel ist es eher hinderlich, wenn man eine Rolle sehr, sehr will. Weil man dann viel zu aufgeregt ist. Man ist unentspannt und kommt nicht gut an.

ZEIT: Gab es eine Prüfung, die Sie als besonders unangenehm empfunden haben?

Fitz: Gleich nach meiner Zeit an der Schauspielschule in Boston. Da hatte ich ein Vorsprechen am Deutschen Theater Berlin. Das war eine schreckliche Situation. Ich war natürlich überpünktlich und wurde in irgendeinem Gang abgesetzt. Irgendwann kam jemand aufgeregt zu mir gelaufen und sagte: "Wo sind Sie denn? Wir warten auf Sie!" Ich wurde in einem Miniraum geführt, und es hieß: "Dann fangen Se mal an." Es klang für mich wie ein "Was wollen Sie eigentlich hier?". Das war eher eine Art Machtspiel. Vielleicht wollten die sehen, wie ich damit umgehe, ob ich sage: "Ihr könnt mich mal."

ZEIT: Kann man lernen, mit unangenehmen Situationen umzugehen?

Fitz: Ich glaube, man lernt, eine Prüfungssituation entweder umzudeuten oder sich ihr nicht mehr auszusetzen.

ZEIT: Wie geht das?

Mit Neugier reinzugehen anstatt mit Angst, das ist die große Kunst

Fitz: Castings sind für mich mittlerweile eher ein gegenseitiges Kennenlernen. Ich möchte etwas über die Figur rauskriegen, über den Regisseur. Das empfinde ich nicht mehr als Prüfung. Natürlich gelingt mir das nicht immer. Ich weiß genau: Wenn ich ein Casting für einen Film von Steven Spielberg hätte, wäre ich auf jeden Fall aufgeregt. Es sei denn, ich würde es schaffen, die Situation umzumünzen. Mit Neugier reinzugehen anstatt mit Angst, das ist die große Kunst.