Die Vergangenheit hat sie eingeholt. Als Sportdirektor Txiki Begiristain bekannt gab, Pep Guardiola werde Manchester City coachen, war zwingend klar, dass es vier Kilometer weiter beim Rivalen United nur einen auf dem Chefsessel geben konnte: José Mourinho.

Um die Brisanz dieses Duells zu begreifen, muss man zurück ins Barcelona der Neunziger. Der große Johan Cruyff hatte dort seine Jünger gelehrt, bedingungslos an den Heiligen Gral des Fußballs zu glauben. Louis van Gaal, Frank Rijkaard, Bobby Robson, Tito Vilanova, Luis Enrique und: Pep Guardiola. José Mourinho war zwar mittendrin, aber nie wirklich dabei, wenn die Ritter von Cruyffs Tafelrunde ihre Träume vom schönen Spiel verwirklichten. Unter Robson und van Gaal durfte der Portugiese als Assistent dolmetschen und Hütchen aufstellen, musste zusehen, wie der elegante Stratege Guardiola zu einer katalanischen Legende wurde.

Mourinho, dem immer das Ergebnis wichtiger war als die Art, wie es zustande kam, musste über Porto nach Chelsea, wo er seine Trainerskills perfektionierte. 2008 wollte José mit vier Meistertiteln und einem CL-Triumph nach "Camelot" heimkehren. Doch "König" Cruyff hatte bereits Guardiola auf dem Thron installiert. Eine Brüskierung Mourinhos, die er Barça nie verzeihen sollte.

2010 war die Zeit der Revanche gekommen: Mit Inter eliminierte der verstoßene Sohn Guardiolas Barça, bevor er gegen Bayern erneut die CL gewann. Als Trainer von Real trieb Mourinho seine unerträglichen Psychospielchen in den "Clasicos" so weit, hetzte seine Real-Vollstrecker so unbarmherzig auf Messi & Co., dass Pep nicht zuletzt deshalb entnervt das Handtuch warf und sich eine Auszeit in New York nahm.

Jetzt ist also Manchester Schauplatz dieses epischen Showdowns zweier riesiger Egomanen. Eine Stadt, die nicht groß genug ist für beide. Mourinho ist von einem "heiligen" Zorn und latenten Minderwertigkeitskomplexen beseelt, seine in Madrid und London beschädigte Karriere wieder aufs Gleis zu bringen.

Der Katalane, dem in München alle dankbar sind, dem aber keiner eine Träne nachweint, ist ein großartiger Ausbilder, aber kein warmherziger Lehrer. Als kühler Projektleiter wird Guardiola bei City ein Monster erschaffen, das als erster englischer Club seit Langem um die CL spielt. Wenn die Arbeit getan ist, zieht der Menschen-Schachspieler mit seinem Stab emotionslos weiter.

Mourinho tickt anders. Ihm sind Tradition und Emotionen wichtig. Er will vor allem Chelsea zeigen, wie es geht. Wenn dabei alte Rechnungen beglichen werden können, umso besser. In Spanien hat er es sogar geschafft, die durch den WM-Titel entstandene freundschaftliche Atmosphäre zwischen den Spielern von Real und Barça am Ende rettungslos zu vergiften.

Pep Guardiola und José Mourinho sind auf- einander manisch fixiert. In Spanien gab es nur zwei wirklich große Clubs, in der Premier League lauern dagegen die mit Investoren- und TV-Geld gemästeten Krokodile.