Julia Busch ist 28 Jahre alt und studiert im 8. Semester Jura an der LMU München. Ihr Sohn Fin ist zweieinhalb Jahre alt. Bericht über einen Spagat zwischen Campus und Kita.

Manchmal denke ich: Ich bin keine Studentin, sondern eine Funktioniermaschine. Meine Tage sind streng getaktet. Aufstehen um sechs, husch, husch ins Bad, danach Fin wecken, waschen, anziehen, gemeinsam frühstücken und nebenbei unsere Taschen packen. Um halb acht düsen Fin und ich los. Martin, Fins Vater, steht dann gerade erst auf. Er ist auch Student und verdient seinen Teil unseres Lebensunterhalts mit Werbefilmen und Musikvideos, ich selbst arbeite neben dem Studium zwei Tage pro Woche als studentische Hilfskraft in der Beratungsstelle für Studierende mit Kind. Martin arbeitet oft abends und dann bis spät in die Nacht.

Also bin ich es, die Fin in die Krippe bringt. Einen Platz an einer Uni-Kita haben wir blöderweise nicht bekommen, in unserem Viertel war auch nichts frei. Das macht es komplizierter. Doch die Krippe ist nah an der Arbeitsstelle meiner Mutter, manchmal bringt sie ihn morgens. Dass meine Eltern und Martins Mutter vor Ort leben, meine Eltern sogar direkt bei uns, ist unser großes Glück. Sie holen Fin an drei Nachmittagen ab, die Krippe geht bis 15 Uhr. Bleibt ein Nachmittag für Martin, einer für mich. An den Großeltern-Tagen ist Fin dann spätestens um 18 Uhr bei mir. Ich koche oder mache uns eine Brotzeit, Fin erzählt aus der Krippe.

Ein Kind zu bekommen war nicht geplant. Martin und ich waren erst elf Monate zusammen, als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten. Das war ein Schock. Aber für uns war klar: Wir wollen dieses Baby. Tatsächlich freuten wir uns dann sehr. So gesehen ist unser Sohn ein absolutes Wunschkind.

Fin kam im Dezember auf die Welt, ich ließ mich dann für ein Semester beurlauben. Das geht total unkompliziert. Weniger schön ist, dass man während einer Beurlaubung kein Bafög erhält. Auf Studenten mit Kind ist die Bürokratie eben kaum eingerichtet.

Nach einem Semester Pause legte ich langsam wieder los. An ein Erlebnis erinnere ich mich gut: Ich besuchte ein Blockseminar, und weil ich noch stillte, brachte Martin Fin in der Mittagspause vorbei. Wir saßen in einem Café, abseits von den anderen, aber doch in Hörweite meiner Kommilitonen. Plötzlich ging es los: Wie man nur so doof sein könne, im Studium ein Baby zu bekommen. Alle Freiheiten kaputt, die Karrierechancen zerstört!

So direkt habe ich das nie wieder gehört. Aber ich nehme mein Kind auch nicht mehr mit an die Uni, mit neun Monaten kam Fin in die Krippe. Heute erzähle ich Kommilitonen nur dann, dass ich Mutter bin, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Bin ich halt die Einzelgängerin, die nach dem Seminar gleich abhaut. Vielleicht ist es in anderen Fächern ganz anders, aber Jura ist schon ein Haifischbecken. Solche Gedanken sind keine Einzelmeinung; Konkurrenzdenken und Karriereorientierung sind bei uns sehr verbreitet.