DIE ZEIT: Herr Krüger, Herr Palmer, Herr Völler, wer von Ihnen war noch nicht wegen seines Vaters in Therapie?

Langsam gehen alle Finger hoch.

Boris Palmer: Könnte ja aber noch kommen.

ZEIT: Dann ist doch gut, dass wir hier mal sprechen. Psychologen sagen, wenn ein Mann in der Therapie weint, dann wegen seines Vaters.

Hardy Krüger jr.: Ich kann damit nichts anfangen. Psychologen führen immer alles auf die Kindheit zurück. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Sie hilft mir auch nicht in der Zukunft. Ich lebe hier und jetzt.

ZEIT: Ihr Vater hat Ihnen einfach seinen großen Namen übergestülpt. Ist das nicht eine ziemliche Unverschämtheit?

Krüger: Das war eine Art Tradition. Er hat so gezeigt, wie stolz er ist. Ich hab es ja dann auch anders gemacht: Meine Söhne heißen Leon und Noah. Das "junior" war übrigens meine Idee. Weil es Irritationen gab.

Er muss lachen.

ZEIT: Erzählen Sie.

Krüger: Da kam so eine Dame auf meinen Vater zu: "Also Sie, auf diesem Surfbrett ..."

ZEIT: Sie sind mit der Vorabendserie Gegen den Wind bekannt geworden.

Krüger: Oder ich komme ins Synchronstudio. Sehr langes Schweigen: "Äh, ich muss mal telefonieren ..." Da hatten sie mich gebucht, aber mit meinem Vater gerechnet.

ZEIT: Macht Sie das wütend?

Krüger: Nein, es ist doch auch alles sehr komisch.

ZEIT: Wir haben Sie hier im Bayerischen Hof in München zusammengebracht, um über Ihre Gemeinsamkeiten zu sprechen: Sie sind alle drei Söhne berühmter Väter. Der eine spielte in Hollywood neben James Stewart oder Sean Connery. Der andere war Weltmeister und Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft. Ihr Vater, Herr Palmer, ist als Remstalrebell jedem Schwaben und Badener ein Begriff, er bewarb sich als unabhängiger Kandidat 289-mal um öffentliche Ämter – stets vergeblich. Berühmte Väter sind abwesende Väter. Unterschreiben Sie das alle?

Palmer: Ja. Mein Vater ist ja erst durch den Obstbau und dann durch die Politik bekannt geworden. Er ist morgens um drei aufgestanden, Broterwerb bis zum frühen Abend. Danach hat er seine politischen Ambitionen verfolgt. Wir haben uns trotzdem viel gesehen. Ich habe auf dem Wochenmarkt schon mit sieben begeistert Salat, Kohlrabi und Erdbeeren verkauft.

Krüger: Mein Vater hat immer viel gedreht, aber wenn er zu Hause war, hat er sich um uns gekümmert.

Maco Völler: Meine Eltern sind geschieden. Auch wenn mein Vater woanders gelebt hat: Wenn was war, war er da.

ZEIT: Hatten Sie beide ein Ritual?

Völler: Ich hab mich gefreut, wenn er mit mir gekickt hat. Auch zusammen mit meinen beiden Halbbrüdern. Einmal durfte ich mit ihm ins Stadion in Marseille einlaufen. Ich hatte das Trikot von Olympique Marseille an, Schuhe, Hose. Wahrscheinlich dachte ich, ich kann gleich mitspielen. Ich war da wohl drei oder vier.

Palmer: Im Kleinen hab ich so was auch erlebt, im Wahlkampf. Mein Vater hat gern Stadthallen gefüllt, ich sollte fünf Mark Eintritt kassieren, für seine rhetorischen Beschimpfungsfeuerwerke. Dann durfte ich auf der Bühne seine Sprüche aufsagen. Mein liebster: In der Politik ist es wie beim Baumschneiden. Man muss die Oberen stutzen, damit die Unteren mehr Licht bekommen. Applaus. Abgang Boris.

ZEIT: Wussten Sie, was Sie da sagen?

Palmer: Wer jetzt die Oberen genau sind, wusste ich wahrscheinlich eher nicht.

ZEIT: Haben Sie sich nie einen ganz normalen Vater gewünscht, wie ihn Ihre Schulkameraden hatten?

Palmer: In der Schule tuschelten sie immer, das ist das arme Kind von diesem schlimmen Palmer. Ich dachte: lieber einen Vater, über den alle reden, als einen Spießbürger. Das war meine Konstruktion: Ich hab was Besonderes. Da war ich auch stolz.