6 Rechts von der Union darf es keine Partei geben

Nun, es gibt sie – und sie heißt AfD. Dass es keine geben dürfe, hatte einst Franz Josef Strauß gemeint, weshalb er seinen Bayern Laptop und Lederhosen verpasste und als Konservativer von der Spitze des Fortschritts aus alles Unbayerische und jeden Linken so lange niederblaffte, bis die Leute glaubten, rechte Parolen verhinderten rechte Parteien. Heute weiß der Unions-Fraktionschef Volker Kauder, dass rechte Parolen aus CDU-Mündern einst die Republikaner in den Landtag von Baden-Württemberg befördert haben – und ihnen dann auch noch die Wiederwahl ermöglichten. Und heute weiß die CDU-Kanzlerin, dass die CDU nicht ihre Werte preisgeben darf, um eine rechte Partei zu verhindern. Angela Merkel hat die CDU in einer sich wandelnden, liberaleren Gesellschaft so modernisiert, dass sie mehrheitsfähig geblieben ist. Das ist ihr Verdienst. Dadurch ist ein politischer Freiraum entstanden, in den die AFD hineinstoßen konnte. Das ist der Preis, den die CDU für ihre Mehrheitsfähigkeit zahlt. Die Partei rechts von der Union gibt es nun – und so mancher Christdemokrat findet durchaus, dass es sie auch geben darf. Warum sollten sie sonst schon von einer Koalition mit der AfD sprechen?

7 Aufgrund unserer Geschichte sind wir immun gegen Rechtsparteien wie den Front National

Rechtsparteien hat es auch in Deutschland immer wieder mal gegeben, hießen sie nun Republikaner, NVU, Statt- oder Schill-Partei. Und die NPD gibt es immer noch. Doch entweder sind sie an ihren inneren Widersprüchen sowie dem Wahn, den sie anziehen, gescheitert oder blieben – wie die NPD – bundespolitisch bedeutungslos. Bedeutungslos genug jedenfalls, dass wir uns toll fühlen konnten, als gute Deutsche, die aus der Geschichte gelernt haben.

Unser moralisches Überlegenheitsgefühl speiste sich noch aus etwas anderem. Wir waren nicht nur die guten Deutschen, sondern auch die vernünftigen. So vernünftig, dass bei uns eine linke Regierung nicht links sein musste und eine konservative nicht konservativ, Rot-Grün schickte Bundeswehrsoldaten auf den Balkan und legte Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammen – weil es vernünftig war. Und eine CDU-Kanzlerin schickte Väter in die Elternzeit und führte den Mindestlohn ein – weil es vernünftig war. Der Nachteil ist nur: Das Vernünftige hat die Politik so unterzuckert, dass sich ein Bedürfnis nach Drama angestaut hat. Nach Themen, für die man sich mit wildem, ungezügeltem Eifer begeistern, gegen die man mit wildem, ungezügeltem Eifer kämpfen kann. Dieses Bedürfnis nach Drama bedient die AfD. Zwei Erkenntnisse ergeben sich daraus: Die Deutschen sind nicht weniger immun gegen rechts als andere. Und: Weniger moralische Überheblichkeit, mehr Drama!

8 Die CDU steht für Wirtschaftskompetenz, Wehrpflicht und die traditionelle Familie

Die Wehrpflicht ist ausgesetzt, die Familie ist jetzt da, wo die Kinder sind – und den Wirtschaftsflügel besetzen alte Männer, die immer noch niemand kennt, obwohl sie seit Jahrzehnten im Bundestag sitzen. Die CDU steht heute für eine Kanzlerin, die von Beliebtheitshoch zu Beliebtheitshoch schwebt, ihrer Partei den nächsten Wahlsieg garantiert und am besten noch drei Mal antritt, mindestens ... Ach nee, das war ja gestern. Und jetzt? Und jetzt könnten ein paar Themen helfen. Zum Beispiel ... äh ... wie war das noch mal ... äh ..., dieses Dings da ..., ach ja, ich hab’s: die schwarze Null. Genau, das ist es: Die CDU steht heute für die schwarze Null. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt, bis sie selbst zu einer wird.

9 Frauen kommen nur dann an die Macht, wenn es darum geht, Trümmer zu beseitigen

Als Angela Merkel vor 16 Jahren CDU-Vorsitzende wurde, tuschelten nicht wenige hinter ihrem Rücken, sie sei nur für den Übergang da, bald komme wieder ein richtiger Chef. Als Hannelore Kraft vor sechs Jahren zur Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen aufstieg, hatte die SPD zuvor zum ersten Mal eine Landtagswahl in NRW verloren. Merkel musste die Trümmer eines Spendenskandals beseitigen, Kraft die Trümmer ihrer Partei. Als in diesem Frühjahr in Rheinland-Pfalz erstmals zwei Frauen um den Job als Regierungschefin stritten, war das Frauen-Duell kaum Thema, so selbstverständlich schien es. Und wenn nach Deutschland, dem Internationalen Währungsfonds, der US-Notenbank und Großbritannien demnächst auch die USA von einer Frau regiert werden, können Männer froh sein, dass es Dilma Rousseff gibt: endlich auch mal eine Frau, die scheitert.

10 Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen

Herbert Wehner rief dies einst Unions-Abgeordneten hinterher, die aus Protest gegen seine Rede den Sitzungssaal verließen. Unlängst sind – aus ganz anderen Gründen – Abgeordnete wie Sebastian Edathy oder der ihm wesensverwandte Jörg Tauss aus Größerem rausgegangen als aus einem Sitzungssaal, nämlich aus ihrer Karriere. Ihnen möchte man hinterherrufen: Wer rausgeht, darf ruhig mal draußen bleiben.