Papst Franziskus hat gerade im georgischen Tbilissi davor gewarnt, dass die Gendertheorie die Ehe zerstöre. Gemeint ist päpstlicherseits natürlich der Bund zwischen Frau und Mann, aus dem Kinder hervorgehen mögen. Das Zerstörungswerk gleiche einem "Weltkrieg", die Theorie trete der Ehe als "großer Feind" entgegen, und sie indoktriniere, zumal in den französischen Schulbüchern, die Kinderköpfe hinterlistig wie eine "ideologische Kolonisierung". Was der Papst in seinem Zorn sagen wollte: Die Gendertheorie bestreite die gottgegebenen Unterschiede zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht.

Diese Differenzen können einen in der Tat umtreiben. "Es soll in meinen Gefühlen viel Weibliches sein", notiert Wilhelm von Humboldt 1790. "Neulich schrieb mir die Forster, sie möchte mich Schwester nennen." Was auch immer die Gendertheorie heute zur Klärung der Geschlechterunterschiede beizutragen vermag, sicher jedenfalls hat die kleine Exzellenzinitiative von Frauen und Männern, der Freundeskreis Carolines und Wilhelms von Humboldt, um 1800 fruchtbar durcheinandergebracht, was man später einmal, etwas angestrengt, die heterosexuelle Zwangsmatrix nennen würde: Mann oder Frau sein zu müssen. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Der preußische Gelehrte und Staatsmann Humboldt, durch vierzig Jahre Ehe und als Vater von acht Kindern sachkundig ausgewiesen, hat mit seiner frisch entdeckten weiblichen Gefühlsbegabung die Normalvarianz des Männlichen keineswegs aufgegeben. Sein Notizbuch verzeichnet auch, bedauernd, alle Ausgaben für Bordellbesuche. Der gute Mann hielt es zudem für passend, seine Kinder selbst zu erziehen, einschließlich wickeln, füttern und trösten, und er blieb daher die ersten beiden Ehejahre zu Hause (wo er auch den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Fröschen erforschte). Caroline von Humboldt stand ihrem Mann genderpraktisch in gar nichts nach. Die Ehe retten? Sehen wir ruhig das Vorbild solcher angstlosen Aufgeklärten als weltliches Gottesgeschenk an.