Friend

Die Musik von Dominik Huber aus Zürich hat viel zu wenige Freunde. Das mag daran liegen, dass der Multiinstrumentalist für sein Soloalbum In the Teeth of the Wind, das im Frühling erschienen ist, kaum Werbung gemacht hat. Vielleicht aber auch daran, dass seinen Songs die Süße und die Zutraulichkeit abgehen. Also das, was die Band Legendary Lightness und die Sängerin Heidi Happy auszeichnet, deren musikalischer Mitstreiter Huber in den vergangenen Jahren war. Aber fehlen tut Friend all das nicht: Er besticht mit Experimentierfreude, feierlichem Trotz und einer beinahe heiligen Traurigkeit. "It took some time to see, that the world’s not waiting for me", singt er – und hat sich, nach langem inneren Dialog, seinen eigenen Freund erschaffen.

S.O.S.

Mundart-Rap erlebt gerade eine wahre Sternstunde. Auch dank ihnen: den Rappern Nativ und Dawill und ihrem Produzenten Questbeatz. Noch nie hatte Schweizer Rap so ein hohes Energielevel, noch nie so viel formelle Freiheiten wie bei den Saviours of Soul, kurz S.O.S., aus Bern. Das Trio variiert je nach Lust und Laune. Zwischen Tracks im mittelschnellen Kopfnicker-Rhythmus, die 1990er-Jahre haben angerufen, bis hin zu böse zischelndem, wummerndem Trap – und das alles auf Berndeutsch. S.O.S. beugen sich keinen Konventionen. Was sich nicht reimt, wird trotzdem gerappt. Und ihre Musik hat eine immense Körperlichkeit, ist durchtränkt von einer Friss-Vogel-oder-stirb-Attitüde, die auch den aktuellen Rap aus den Staaten und England prägt. Das neue S.O.S.-Album Candomblé, für jedermann gratis im Netz erhältlich, enthält eine einfache spirituelle Grundthese: Wenn sich die Menschheit auf ihre Gemeinsamkeiten besinnt und die Musik auf sich einwirken lässt, hat niemand mehr Lust, anderen die Köpfe einzuschlagen. Aber es geht hier nicht nur um Spaß. Es geht um Rage, um Revolution – und das endet schnell in Raserei.

Mimiks

Angel Egli ist der beste Rapper, den die Schweiz derzeit zu bieten hat. Punkt. Steht er am Mikrofon, wächst der schmächtige Mittzwanziger über sich hinaus und schafft mit durchdringender Stimme und gestochen scharfen Reimen eine enorme Präsenz. Manchmal feiert er mit seinen Worten dabei über hochmodernen Beats die eigene Potenz. Aber im nächsten Moment werden seine Zeilen ernsthaft, bildhaft und beißend. Wie in Winter, einem Stück seines Zweitlings C.R.A.C.K. (FarMore Records), auf dem er im Schluckaufmodus zu einem kühlen, kristallklaren, künstlichen Schnippen darüber rappt, wie er sich in der Wohnung vor der Welt verschanzt, alles verdrängt. Der Magen ist übersäuert, der Beziehungsstatus ungewiss – und trotzdem bleibt er cool, bleibt Herr seiner Wörter. Ohnmacht und Ernüchterung können hoch inspirierend sein.