Wenn DJ Felix Jaehn ein Konzert in der Elbphilharmonie gibt, dann trifft eine Hamburger Marke, die sehr gut funktioniert (Jaehn), auf eine, die lange nicht so gut funktioniert hat (Elbphilharmonie).

Felix Jaehn, 22 Jahre alt, ist in Hamburg geboren und der erfolgreichste DJ des Landes. Im letzten Jahr vollbrachte er das seltene Kunststück, als Deutscher auf Platz eins der amerikanischen Charts zu landen. Sein Hit heißt Cheerleader, es ist der Remix eines Songs des Reggae-Sängers Omi. Es folgten: Ain’t Nobody (Loves Me Better), der in Deutschland und Österreich ebenfalls auf Platz eins schoss, sowie Jeder für Jeden, der offizielle Song zur Fußball-EM, den Jaehn gemeinsam mit Herbert Grönemeyer aufgenommen hat. Wenn Felix Jaehn auftritt, dann kommen Zehntausende, in Europa, in den USA, in Südamerika. Er ist, das kann man so sagen, ein Hamburger Weltstar.

Und die Elbphilharmonie? Soll endlich einer werden. Es ist nicht lange her, da wirkte sie wie ein Patient, den man nach ewigem Siechtum aus dem Krankenhaus entlässt, wackelig auf den Beinen und etwas blass. Planungschaos, Kostenexplosion, Verantwortungswirrwarr – so liest sich die Krankenakte. Dem Patienten geht es jetzt besser. Er glitzert bei Tag in der Sonne, strahlt bei Nacht. Viele, die ihn jetzt sehen, vergessen darüber seine lange Krankheit. Der Patient wird langsam fit. Felix Jaehn soll dafür sorgen, dass er auch cool wird.

Kann der Imagetransfer klappen? Gibt es, wie Werbepsychologen sagen würden, Ausstrahlungseffekte vom DJ auf das Konzerthaus?

Am Samstag spielte Felix Jaehn ein exklusives Konzert auf Parkdeck eins der Elbphilharmonie. Die Werbeagentur Jung von Matt hatte sich diesen Abend einfallen lassen, um die Social-Media-Kanäle der Elbphilharmonie nach vorne zu bringen. Um an ein Ticket zu kommen, musste man auf der Facebook-Seite der Elbphilharmonie einen Song posten, den Jaehn unbedingt spielen sollte. Unter den Teilnehmern wurden 200 Tickets verlost. Eine Marketingaktion, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite: ein Gipfeltreffen. Und eine Art Einweihung: eine Musikveranstaltung in der Elbphilharmonie, drei Monate vor dem offiziellen Eröffnungskonzert am 11. Januar 2017.

Ein Samstag im Oktober, es ist windig, die Temperaturen liegen unter zehn Grad. Nicht unbedingt verlockend, den Abend in einem Parkhaus zu verbringen. Vielleicht tanzt man sich warm. Die Elbphilharmonie soll von jetzt an nur noch gute Laune machen. Ein paar Tage vor Jaehn schauten Königin Silvia und Carl Gustaf von Schweden zur Visite vorbei. Sie gratulierten der Stadt zu diesem Gebäude. Sie wirkten ehrlich beeindruckt.

Wegen des Architekturwunders sind sie nicht hier, die Teenies, die vor der Elbphilharmonie in der Kälte warten. Sie kreischen, als Felix Jaehn um kurz nach sieben in einem Bus auf das Gelände der Elbphilharmonie gebracht wird. Er sitzt auf der Rückbank, Haare hochgeföhnt, im Licht seines iPhones. Kann dieser Mann die Elbphilharmonie der Generation Snapchat nahebringen?

Schon am Nachmittag hatte man ihn durchs Gebäude geführt. Felix Jaehn stand auf dem Dach und guckte über Hamburg. Er ließ sich fotografieren für den Instagram-Account der Elbphilharmonie. Wie gefällt ihm die Elbphilharmonie? Es bleibt ein Interview von zehn Minuten, um diese Frage zu klären.

Man wird von Instanz zu Instanz übergeben, vorbei an Betonsäulen, vorbei an der Bühne im blauen Licht, bis man bei ihm ist, dem Weltstar. Je näher man ihm kommt, desto jünger und fröhlicher werden die Instanzen. Desto entschiedener wird geduzt. Man gibt dem Stylisten die Hand, er frisiert auch Lena Meyer-Landrut. Man gibt der Managerin die Hand, sie ist komplett unaufgeregt und nett. Felix Jaehn steht im Backstage-Bereich des Parkdecks, was in diesem Fall bedeutet: hinter Bauzäunen, die mit schwarzem Stoff verhängt sind. Er hat das Unbefangene von Mario Götze, bevor er zu Bayern gewechselt ist. Interview im Stehen, wie in der Mixed Zone eines Stadions. Schnelle Antworten: eloquent und freundlich.

Man hat hier zwei Sofas aufgestellt, Bodenstrahler, einen Tisch mit Früchten. Schwarze Kisten stapeln sich, Tour-Equipment. Es ist schon sehr zugig. Aber Felix Jaehn ist so gut gelaunt, als wäre er gerade auf Ibiza gelandet. Gefällt ihm, die Elbphilharmonie. "Mit viel Liebe zum Detail", sagt er. Alle Lichter im großen Saal seien auf den Dirigenten ausgerichtet. "Gigantisch!" Wäre der Saal was für ihn? Felix Jaehn lacht. Für einen Konzertbesuch: Ja. Für seine Art von Musik: eher unpassend. Die Elbphilharmonie in der Wahrnehmung des Star-DJs: alles super, alles toll.