Niemand kannte bislang Dr. David Lipton, doch nun kennt ihn die halbe Welt. David Lipton ist Vize-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und tut immer sehr elegant (Sakko von Loro Piana, Chronograf von Maurice Lacroix, Schuhe von Testoni). Doch der Schein trügt. Aus gewöhnlich gut abgerichteten Kreisen verlautet, der feine Herr sei ein Salon-Marxist und habe die Bücher des Italo-Kommunisten Antonio Gramsci gelesen: Lipton wolle den Kampf um die Köpfe gewinnen und eine Revolution anzetteln. Tatsächlich hat David L. den Goliath Wolfgang Schäuble attackiert und verlangt, Deutschland solle mehr Geld in Schulen, Kindergärten und Brücken investieren. "Damit werden Sie nicht nur der Welt einen Dienst erweisen, sondern vor allem sich selbst. Wollen Sie das als Nation?"

Sagen wir es mit einer handgenähten Formulierung: David Lipton will Wolfgang Schäuble stürzen und Deutschland in eine Kolonie des linken IWF verwandeln. In Wahrheit investiert Deutschland längst wie der Teufel. Gerade wurde bekannt, dass eine Gemeinde auf Rügen eigens 200.000 Regenwürmer bestellte, damit diese den Untergrund des Sportplatzes auflockern. Leider erfolglos. Kosten für den Steuerzahler: 19.500 Euro. Loben müssen wir auch die bettelarme Stadt Schwerin. Sie scheute keine Mühe, um Trambahnschienen kostenintensiv auf der falschen Straßenseite zu verlegen und investiert nun große Summen in den Rückbau. Und im schönen Korbach wurde das Hallenbad erst für 7,8 Millionen Euro kurzfristig saniert, um langfristig geschlossen zu werden. Vielleicht für immer.

Werfen wir noch einen Blick ins reizende Grimma, das kiloweise Geld in ein barrierefreies Bahngleis investierte, das im Regelzugverkehr gar nicht angefahren wird. Klasse gemacht! Auch das Städtchen Wallenhorst glänzt mit seiner Investitionsbereitschaft und verlegte für zarte 10.000 Euro elektrisch beleuchtete Gullydeckel. Mustergültig auch das Berliner Kulturstaatsministerium. Es förderte für eine halbe Million Euro eine App, die die Suche nach Promi-Gräbern erleichtert – dabei leitet die App lediglich auf eine bestehende Internetseite weiter. Und die Stadt Hamburg buddelt täglich das Hafenbecken aus, nur um den Schlick ein Paar Kilometer entfernt wieder in die Elbe zu kippen, wo ihn die Strömung an den Ausgangspunkt zurückbefördert. Die Würmer auf Rügen, das tote Gleis von Grimma, der Endlosbagger in der Elbe: Wir Deutschen investieren mehr in unsere Zukunft, als der Bund der Steuerzahler erlaubt. Und Sie, Mister Lipton: Vergessen Sie Gramsci! Rudern Sie zurück, bevor die Strömung sie fortreißt. Time is running out.

FINIS