Im weitläufigen Frankfurter Messesaal tummeln sich viele Männer in schicken Anzügen. Mittendrin steht Aya Jaff. Die junge Frau trägt ein schwarzes Kleid und unterhält sich gerade mit Kollegen, als ihr ein Mann von hinten auf die Schulter tippt: "Zwei Bier, bitte." Aya Jaff dreht sich um. Unterdrückt Erstaunen, Peinlichkeit und Ärger und sagt: "Ich bin hier als Rednerin gebucht."
Noch heute, über ein Jahr später, schüttelt Jaff den Kopf, wenn sie an diesen Vorfall bei der Deutschen Anlegermesse zurückdenkt. "Das war mir in dem Moment total peinlich." Auch jetzt spricht sie wieder leise, so wie damals. Laut werden kann sie nicht, dafür ist sie gerade am falschen Ort. Die 20-Jährige mit den schwarzen Haaren und rot geschminkten Lippen sitzt im Café der Nürnberger Stadtbibliothek, vor ihr auf dem Tisch liegt ein mit Stickern übersäter Apple-Laptop, an den Nachbartischen kämpfen ältere Herren mit überdimensionalen Zeitungen. Es herrscht vornehme Ruhe.