Nett ist es anzusehen, das Ensemble Holstenwall 20–22 in bester Innenstadtlage. Früher wurde der Komplex, teils weiß verputzt und mit Rundbogenfenstern, als Verwaltungsgebäude der Hamburger Sparkasse genutzt. Doch seit Jahren – laut den Betreibern der Webseite leerstandsmelder.de sind es mindestens fünf – steht es leer. Einige Hundert Quadratmeter Geschossfläche, die ungenutzt verstauben, verrotten. Findet sich kein anderer Mieter? Will man keinen anderen Mieter finden?

In einer Stadt, in der Wohnraum knapp ist und die Mieten teuer sind, in der darum gestritten wird, wo man Flüchtlinge unterbringen soll, in der Container für Unterkünfte sogar in Grünanlagen aufgestellt werden, dauert es nicht lange, bis ein solcher Leerstand auffällt. Und man sich fragt: Wenn der Eigentümer nichts daran ändert, dass hier über Jahre Flächen leer stehen, die man sehr gut anderweitig nutzen könnte, kann dann nicht die Stadt dafür sorgen?

Leider nein, sagt Sorina Weiland vom Bezirk Mitte. Wenn es um Wohnungen ginge, könne man etwas unternehmen: Nach dem Hamburger Wohnraumschutzgesetz können die Behörden nach einigen Monaten eine Zwischennutzung oder Zwangsvermietung anordnen. Das ist zumindest eine rechtliche Handlungsgrundlage, auch wenn es oft heißt, es mangele an Personal, um den illegalen Leerstand wirkungsvoll ahnden zu können. "Aber bei Bürogebäuden haben wir keine Handhabe", sagt Weiland.

Ab und zu merkt das auch die Öffentlichkeit. Viele Hamburger erinnern sich noch an das ehemalige Verwaltungsgebäude der Deutschen Angestellten-Krankenkasse am Steindamm: Das Haus mit acht Stockwerken und rund 13.000 Quadratmetern Bürofläche wurde 1989 an zwei Investoren verkauft – und 14 Jahre lang nicht vermietet. Verschmutzt und verfallend, diente es Obdachlosen, Drogenabhängigen und Prostituierten als Unterschlupf. Nachdem ein Freier dort eine Frau erwürgt hatte, brachte es das "Horrorhaus" zu bundesweiter Berühmtheit.

Die Stadt sieht heute bei leer stehenden Bürokomplexen genau hin, auch hinsichtlich der Frage, ob sich dort Flüchtlinge unterbringen lassen. "Aber die Anforderungen sind sehr hoch", sagt Sorina Weiland. Der Brandschutz sowie die Ausstattung mit Sanitäranlagen und Küchen in Bürohäusern genügten nicht für Wohnzwecke, und oft sei die Nachrüstung zu aufwendig und teuer.

Am Holstenwall 20–22 tut sich jetzt trotzdem etwas. Hier soll tatsächlich Wohnraum entstehen, wenn auch nicht für Flüchtlinge. Das Unternehmen International Campus plant ein Gebäude mit "Mikroapartments" samt Pförtner, Gruppenräumen und Highspeed-Internet. Die Zielgruppe sind Studenten, Berufsanfänger und Auszubildende, die sich einen Quadratmeterpreis von rund 30 Euro leisten können. Richtig, das ist ein anderes Nutzungskonzept.