BMW teilt mit: "Stellenbesetzungen sowie Aufnahmen oder Beendigungen von Arbeitsverhältnissen sind Entscheidungen des Unternehmens, unter Wahrung der Mitbestimmungspflicht. Letztere wird durch den Personalausschuss des Gesamtbetriebsrats wahrgenommen, nicht durch Einzelpersonen."

Das klingt so gar nicht nach den Erlebnissen von über 20 Mitarbeitern, zumeist Leiharbeitern, die mit der ZEIT in den vergangenen Monaten gesprochen haben. Wenn die Schwächsten im Werk nicht folgsam sind, riskieren sie demnach ihren prekären Job, weil IG Metall und Betriebsrat oft einen übermäßigen Einfluss ausüben.

Bereits im April berichtete die ZEIT über den rüden Umgang der IG Metall mit Kritikern und Nichtmitgliedern bei Volkswagen. Da dort sagenhafte neun von zehn Mitarbeitern gewerkschaftlich organisiert waren, schien das eine rechtlich fragwürdige, aber historisch gewachsene Besonderheit zu sein.

Bei BMW dagegen wirbt die Gewerkschaft aggressiv um Mitglieder, bedrängt Leiharbeiter, weil sie schwach aufgestellt ist. Zwar stellt die IG-Metall-Liste bei BMW 50 von 59 Sitzen im Betriebsrat, aber zugleich legen Zahlen früherer Jahre nahe, dass die IG Metall im Münchner Werk weniger als 40 Prozent der Mitarbeiter in ihren Reihen hat. Eine Insiderin schildert das Problem mangelnder Schlagkraft: "Bei BMW streiken im Konflikt immer nur bestimmte Schichten, weil die meisten einfach zurück ans Band gehen oder Frühstückspause machen."

Um dem entgegenzuwirken, hat es die Gewerkschaft vor allem auf Leiharbeitnehmer abgesehen. "Bei der Stammbelegschaft hat die IG Metall ihr Potenzial ausgeschöpft. Da bleiben nur die Leiharbeiter, die noch eintreten könnten", sagt die IG-Metall-Insiderin. Wenn die Stammbelegschaft zu weniger als 50 Prozent organisiert sei, bekämen Aufmärsche nur mit Leiharbeitern Aufmerksamkeit.

Leiharbeiter in Deutschland sind für Manager der Autoindustrie ein Segen. Wächst die Wirtschaft kräftig, dann beschäftigen die Betriebe diese Zeitarbeiter. Zu vergleichsweise geringen Stundenlöhnen und mit Kündigungsfristen unter einem Monat.

Offiziell spricht BMW davon, dass die Quote der Zeitarbeiter, wie Leiharbeiter im Werk genannt werden, höchstens zwölf Prozent der Stammbelegschaft betragen darf. Der ZEIT liegen die internen Berechnungen eines großen Teilbereichs aus diesem Herbst mit mehreren Tausend Mitarbeitern vor. In diesem Werksabschnitt, den auch Betriebsratschef Schoch gut kennt, wird fast jeder fünfte Arbeitsplatz von einem Leiharbeiter besetzt. In manchen Fabrikabschnitten ist jeder dritte Beschäftigte ein Leiharbeiter. Ohne sie ist kaum eine Streikmacht aufzustellen.

Und weil sich die Macht der Gewerkschaft ganz wesentlich über Mitgliedsstärke definiert, tun ihre Mitarbeiter und Verbündeten nahezu alles dafür, dass die Mitgliederzahlen nicht sinken. Hier offenbart sich am Fall BMW ein weiterer Wesenszug der IG Metall.