Es ist der erste Montag im Mai dieses Jahres. Ivanka Trump schreitet im karminroten schulterlosen Ralph-Lauren-Kleid über den roten Teppich vor dem Metropolitan Museum of Art, an ihrer Seite Jared Kushner, ihr Ehemann und gleichfalls Spross einer Immobiliendynastie. Die 34 Jahre alte Tochter von Donald Trump ist seit Monaten für ihren Vater auf Wahlkampftour quer durch die USA. Bei der Gala zugunsten des Museums an New Yorks Fifth Avenue wollte Ivanka jedoch nicht fehlen. Nur wer eine der 600 begehrten persönlichen Einladungen hat, darf hier im schier ewigen Blitzlichtgewitter der Fotografen stehen.

Die Met-Gala ist der Höhepunkt der Saison für jene hauchdünne New Yorker Oberschicht, die Amerikas moderne Aristokratie darstellt. Aus ihr stammen seit Generationen Wall-Street-Spekulanten, Medienmacher und Immobilienmogule. Vor allem aber rekrutiert sich aus ihrem engsten Kreis die politische Führung des Landes. Auch wenn zwischen den aktuellen Kandidaten, dem Republikaner Donald Trump und der Demokratin Hillary Clinton, Welten zu liegen scheinen: Es ist kein Zufall, dass beide in der Stadt zu Hause sind.

Washington ist der offizielle Sitz der Regierung, dort balgen sich Lobbyisten und Einflüsterer im Kapitol, um das Ohr der Abgeordneten zu gewinnen. Wer höher hinauswill, muss aber unbedingt nach New York. "Washington ist in Bürokratie erstarrt, New York lebt von den unterschiedlichsten Leuten, ihrer Energie und ihren Ideen", sagt Philip K. Howard, ein Anwalt, der als Leiter einer gemeinnützigen Organisation zu den Insidern gehört. Und nicht zuletzt seien Vermögen nirgendwo sonst so konzentriert. "Wer sich darauf versteht, kann hier ganz schnell reich werden."

New York zog auch die Clintons an. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft kauften Bill und Hillary ein Anwesen in Chappaqua, einem Weiler im grünen Villengürtel, von Manhattan gut mit der Limousine erreichbar. Hillary wurde Senatorin für den Bundesstaat New York und bereitete hier ihre erste Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2008 vor.

Nun, im Jahr 2016, liefern sich Donald Trump und Hillary Clinton erbitterte Fernsehdebatten, bei denen er sich als Volkstribun geriert und sie die Advokatin der Mittelschicht gibt. Doch für die Clintons und die Trumps sind arbeitslose Stahlwerker in Ohio und Fast-Food-Geringverdiener aus Alabama fast so weit weg wie Textilarbeiter in Bangladesch. Sie stammen aus einer Elite, die mit dem normalen Leben in Amerika nichts zu tun hat. Vielleicht tut das Volk sich deshalb so schwer, die beiden wirklich zu mögen.

Die beiden rivalisierenden Politik-Clans haben auch miteinander mehr gemein als mit den Wählern draußen im Land. Ihre Familien, bis zum Wahlkampf gut befreundet, ähneln sich. Wie Donald Trumps Tochter Ivanka ist Hillary Clintons Tochter Chelsea nicht nur als Wahlkampfhelferin für ihre Mutter aktiv, sondern sie ist in das Familienunternehmen eingestiegen. Die Tochter der Clintons ist – nach fehlgeschlagenen Versuchen als Journalistin für den TV-Sender NBC (mit einem Jahresgehalt von 600.000 Dollar, wie das Washingtoner Journal Politico berichtete) und einem Abstecher als Analystin bei einem befreundeten Hedgefonds-Manager – seit 2014 zweite Vorsitzende der Clinton Foundation. Die Stiftung, die weltweit Entwicklungsprojekte fördert, ist wegen potenzieller Interessenskonflikte in die Kritik geraten, weil sie Geld von Unternehmen und ausländischen Regierungen angenommen hat, während Hillary Clinton amerikanische Außenministerin war. Chelsea sitzt zudem im Aufsichtsrat des Medienkonzerns IAC, wofür sie allein im Jahr 2011 laut Jahresbericht 12.500 Dollar in bar sowie 250.000 Dollar in Aktien als Vergütung bekam. Laut dem Bericht traf sich der Aufsichtsrat fünf Mal in dem Geschäftsjahr. Dessen Chef Barry Diller und seine Frau, die Modedesignerin Diane von Fürstenberg, sind Clinton-Freunde.