Wer Bioeier und Ökoschnitzel kauft, denkt nicht nur an seine eigene Gesundheit. Auch die tierische Kreatur soll profitieren, wenn wir uns nachhaltig ernähren. Biomilch schlürfend, schmeicheln wir uns mit der Vorstellung von vitalem Vieh auf grünen Wiesen. An kranke Tiere denken wir nur in Zusammenhang mit konventioneller Haltung.

Doch damit liegen wir falsch. Mehr als 200 Ökobetriebe in Deutschland, Frankreich, Schweden und Spanien hat der Kasseler Agrarwissenschaftler Albert Sundrum besucht. Fazit: Trotz "deutlich besserer Haltungsstandards" seien die Kühe in der ökologischen Milchproduktion genauso häufig krank wie ihre Kolleginnen auf konventionellen Höfen. Entzündete Euter und kaputte Klauen gibt es hier wie dort. Schuld daran sei primär "suboptimale Betriebsführung". Im Klartext: keine Zeit, kein Geld und kein Anreiz, um in die Gesundheit der Tiere zu investieren.

Ähnlich sieht es bei Bioschweinen und -hühnern aus. Nicht die gute Idee namens Bio ist daran schuld, sondern der Preisdruck, der vor der Ökolandwirtschaft nicht haltmacht. Wer weniger fürs Essen zahlt, billigt damit, dass sich Produzenten den sorgfältigen Umgang mit der Ressource Nutztier nicht leisten.

Tierquälerei ist verboten – gleichzeitig gibt es Betriebe, in denen 74 Prozent der Kühe krank sind. Das passt nicht zusammen. Und schon gar nicht damit, dass wir uns einbilden, mit "preiswerter" Milch die Welt zu retten, nur weil "Bio" draufsteht.