Vor einigen Wochen machte mich Leser Andreas L. auf eine Produktkategorie aufmerksam, deren Bedeutung ich womöglich unterschätzt habe. Es geht um eine spezielle Subvariante von Regenschirmen, nämlich die sogenannten Outdoor-Regenschirme.

Es scheint tatsächlich üblich zu sein, in Onlineshops nach Outdoor-Regenschirmen zu stöbern oder in Ladengeschäften danach zu fragen. Bei einem Test fasste sich kein Verkäufer an den Kopf oder antwortete mit einem verständnislosen "Hä?", obwohl ich das durchaus erwartet hätte. Schließlich ist das typische Einsatzgebiet von Regenschirmen recht klar umrissen, wie Sie vielleicht schon geahnt haben: Man braucht sie draußen.

Der Markt für Indoor-Regenschirme dürfte eher klein sein. Interessant höchstens, falls Sie zu Hause ein kaputtes Dach haben und es reinregnet, Sie aber eine unverhältnismäßig lange Wartezeit bis zum Eintreffen des Dachdeckers überbrücken müssen. Denken Sie an Carl Spitzwegs berühmtes Gemälde Der arme Poet. Der dort gezeigte Dichter hätte sich natürlich ebenso gut mit einem handelsüblichen Outdoor-Regenschirm behelfen können, wenn es diesen damals schon gegeben hätte. Heute kostet ein gutes Modell so um die 60 Euro, zum Beispiel von der Marke Euroschirm (bitte nicht mit dem Euro-Rettungsschirm verwechseln, das ist was anderes). Anzunehmen ist, dass der Schirm aus atmungsaktivem Material besteht, Mund und Nase bei korrekter Anwendung also frei lässt.

Das eigentlich Erstaunliche bei Outdoor-Regenschirmen ist allerdings die Chuzpe, mit der sie vermarktet werden. Seit Jahren behaupten die Outdoor-Ausrüster, dass man nur ihre Outdoor-Jacken, Outdoor-Hosen und Outdoor-Schuhe tragen müsse, um selbst dann trocken zu bleiben, wenn man zwei Wochen lang unter einem Wasserfall steht. Wozu also sollte man einen Outdoor-Regenschirm benötigen, wenn das nicht gelogen ist?