Die Hamburger Biesterfeld AG ist kräftig gewachsen: Zwischen 2011 und 2015 hat das 110 Jahre alte Familienunternehmen seinen Umsatz von 850 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Ermöglicht hat diesen Wachstumsschub vor allem eine sogenannte Heuschrecke. Die Private-Equity-Gesellschaft Hannover Finanz investiert in mittelständische Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Vor fünf Jahren ist die Hannover Finanz bei dem Chemikalien- und Kunststoffvertrieb eingestiegen. Inzwischen hält sie einen Anteil von 29 Prozent.

Mit dem frischen Kapital haben Vorstandschef Thomas Arnold und sein Team neue Niederlassungen gegründet, etwa in Thailand, und Firmen mit internationaler Präsenz zugekauft. Trotz dieser Erfolge und obwohl die typische Beteiligungsdauer in der Privat-Equity-Branche – fünf Jahre – abgelaufen ist, sagt Hannover-Finanz-Vorstand Jürgen von Wendorff: "Wir bleiben für insgesamt zehn bis zwölf Jahre an Bord, womöglich auch deutlich länger." Und die Biesterfeld-Manager loben, der Investor sei "ebenso wie die Familie an einem langfristigen und nachhaltigen Wachstum interessiert".

Finanzinvestoren müssen also keineswegs immer als aggressive Sanierer auftreten, die kurzfristig den Firmenwert steigern und schnell wieder verkaufen wollen. "Die vermeintlichen Heuschrecken sind immer öfter langfristige strategische Partner", sagt Christian Niederle, Managing Partner der Beratungsgesellschaft Network Corporate Finance in Düsseldorf. Angesichts zahlreicher positiver Beispiele in den vergangenen Jahren wachse das Interesse. Das liegt zum einen daran, dass nur rund ein Drittel der etwa 200.000 Mittelständler, die sich jährlich auf die Suche nach einem Nachfolger machen, in der Familie oder der Führungsriege fündig werden. Finanzinvestoren können für sie eine willkommene Alternative sein.

Interessant sind sie auch für Mittelständler, die selbst noch viel mit ihrer Firma vorhaben: Denn immer häufiger geben sich Private-Equity-Investoren mit Minderheitsbeteiligungen von 25 bis 49 Prozent zufrieden – wie im Falle Biesterfeld. Laut Marktstatistik des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ist der Anteil solcher "Wachstumsfinanzierungen" am Private-Equity-Markt zwischen 2013 und 2015 von 6,9 auf 12,7 Prozent gestiegen. Finanzinvestoren stecken somit pro Jahr immerhin 700 Millionen Euro in ambitionierte Mittelständler, ohne selbst gleich das Ruder zu übernehmen.

Eine der Private-Equity-Gesellschaften, die sich in diesem Bereich engagieren, ist die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Dennso, zu deren Portfolio beispielsweise der Logistik-Zulieferer Wegener + Stapel Fördertechnik (W+S) aus Bergen bei Hannover gehört.

Gut ein Jahr nach der Übernahme ist in Bergen nicht von Stellenabbau und Effizienzsteigerung, sondern von Wachstum und Internationalisierung die Rede. Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr um rund 15 Prozent, und die Akquise läuft auf Hochtouren. Im Frühjahr kündigte W+S etwa an, ein automatisches Paketfördersystem für ein neues DHL-Zentrum in Saudi-Arabien zu liefern.

Manfred Schleicher, Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer des Unternehmens mit 60 Mitarbeitern, will die Expansion weiter vorantreiben. Auch Investor Dennso ist optimistisch: "Wir wollen das Unternehmen langfristig begleiten", sagt Vorstand Helmke Gerndt. Zeitdruck besteht damit nicht. Das wäre bei Wachstumsfinanzierungen auch kontraproduktiv.

So viel Zeit lassen sich nicht alle Private-Equity-Gesellschaften. Viele sammeln das Geld, das sie in Unternehmen investieren, wiederum bei Anlegern ein und legen dafür Fonds mit einer Laufzeit von sechs bis acht Jahren auf. Sie müssen ihre Anleger also irgendwann wieder auszahlen. "Damit kein Verkaufsdruck entsteht, haben unsere Fonds keine Laufzeitbegrenzung", sagt Hannover-Finanz-Manager von Wendorff. Christian Niederle vom Network Corporate Finance rät daher zu sorgfältiger Partnerwahl. Es sei wichtig, "mit mehreren Investoren zu sprechen, Konzepte zu vergleichen und ein Gefühl für die jeweilige Mentalität zu entwickeln". Das ist aber – trotz des wachsenden Interesses – längst noch nicht gang und gäbe.