Ahrensburg? "Da wollte ich nie hinziehen", sagt Eva Hinrichs. Sie sitzt am Esstisch ihres neu gebauten Hauses im Stadtteil Gartenholz. Durch die gläserne Schiebetür fällt Tageslicht auf den Holzboden, es ist hell, obwohl der Himmel grau ist. In der offenen Küche mit Kochinsel stöbern die Töchter Mira, 8, und Nieke, 3, nach Keksen, in einer anderen Ecke des großen Raums balgen sich zwei Katzen auf dem Sofa vor dem Kamin. Eva Hinrichs ist 34 Jahre alt. Sie wäre gerne in Hamburg geblieben. "Nur war das für uns einfach nicht möglich."

Bis vor einem Jahr wohnte Familie Hinrichs in Altona: Zu viert in zweieinhalb Zimmern, 68 Quadratmeter im Erdgeschoss. Mira hatte ihr eigenes Zimmer, doch in die neun Quadratmeter passte kaum mehr als das Bett. 2013 kam Nieke dazu, danach teilten sich Eva Hinrichs und ihr Mann Marc das Schlafzimmer mit dem Säugling. "Es war kein Eheleben mehr möglich", sagt sie.

Also raus ins Grüne, ins eigene Häuschen. Viele Deutsche wollen das – fast jeder Dritte schwärmt davon, ergab eine Umfrage im vergangenen Jahr. Das Häuschen soll in einer ruhigen, familienfreundlichen Gegend am Stadtrand stehen. Aber bitte auf keinen Fall zu weit draußen!

"Ja, das möchste", schrieb Kurt Tucholsky schon vor 90 Jahren: "Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse / vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße / mit schöner Aussicht, ländlich-mondän / vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn / aber abends zum Kino hast dus nicht weit."

Bis heute stimmen diese widersprüchlichen Zeilen, man kann sogar sagen: mehr denn je. In Hamburg sind die Häuser im Grünen so begehrt wie nie, weshalb die Suchenden gezwungen sind, immer mehr Geld auszugeben. Und immer weitere Kreise zu ziehen, bis über die Stadtgrenze hinaus. Familie Hinrichs, die eigentlich nie nach Ahrensburg in Schleswig-Holstein wollte, kann davon berichten.

Schon vor neun Jahren begann ihre Suche nach einem Haus. Es sollte einen Garten haben, einen Kamin, es sollte weitläufig sein, nicht so dicht am Nachbargebäude wie ihre Wohnung in der Stadt. "Wir dachten immer, wir ziehen nicht weit weg von Altona, wir hatten dort so viele Freunde", sagt Eva Hinrichs.

Das Paar suchte zuerst in Rissen und Wedel, besichtigte Häuser und Grundstücke. Marc Hinrichs wollte in ein Neubaugebiet ziehen, Eva Hinrichs in ein bestehendes Haus. "Wir dachten, diese Entscheidung würde unser Hauptproblem sein", sagt sie. "Stattdessen kamen wir ganz schnell an unsere finanziellen Grenzen."

Eva Hinrichs arbeitete in der Gastronomie im Service, ihr Mann als Informatiker in einem IT-Unternehmen. Am Wochenende fuhren sie mit dem Auto durch Niendorf, hielten Ausschau nach Schildern: "Zu verkaufen".

Mehr als 300.000 Euro wollten sie nicht ausgeben, aber rasch wurde ihnen klar, dass sie mit diesem Budget die Suche ausweiten mussten: Auf einmal war auch Winsen an der Luhe im Gespräch.

Alles war teurer als gedacht. Alles war komplizierter. Alles dauerte viel länger.

Wie umkämpft die Häuschen im Grünen inzwischen sind, kann man nachlesen im Marktbericht des Hamburger Immobilienmaklers Grossmann & Berger. Die Lage, grob zusammengefasst: Die Preise in der Stadt steigen seit Jahren rasant, für alle Immobilien. Das Angebot ist insgesamt "konstant gering", bei Einfamilienhäusern ist es: "sehr gering". Deshalb verschiebe sich der Nachfrageüberhang stärker auf den Speckgürtel. Im Klartext: Weil in den zentraleren Hamburger Stadtteilen kaum Häuser auf dem Markt sind und deren Preise auf einem sehr hohen Niveau liegen, weichen viele Hamburger ins Umland aus.

Dort steigen die Preise auch: um sieben bis zehn Prozent im Jahr, wo es eine gute Anbindung an die City gibt, Einkaufsmöglichkeiten und Kinderbetreuung.

"Der Suchradius wird immer größer", sagt Andreas Gnielka, Bereichsleiter Wohnimmobilien Bestand bei Grossmann & Berger. "30 bis 40 Minuten Fahrtzeit werden akzeptiert." Selbst die eine Zeit lang unbeliebteren Reihenhäuser seien wieder extrem gut nachgefragt. Seine Tipps für die Suche im Umland? Gnielka zählt drei Orte auf, die er als "rising stars" bezeichnet: Reinbek, Bargteheide, Buchholz in der Nordheide.

Da muss so mancher Hamburger erst mal die Landkarte konsultieren. Wo liegt das noch gleich?