In diesem fünfjährigen Krieg hieß es schon von Anfang an, dass man von außen nichts tun könne. Ratlosigkeit und Mutlosigkeit gehörten die ganze Zeit dazu. Das Wichtigste für die Menschen in Aleppo wäre zunächst, humanitäre Hilfe zu leisten, die Bevölkerung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten zu versorgen. Doch kommen die Konvois der Hilfsorganisationen nicht durch, werden Städte belagert, Lebensmitteltransporte absichtlich beschossen. Über fast alle Möglichkeiten haben Amerikaner und Europäer irgendwann schon einmal diskutiert, gegen alles gibt es Einwände. Manche Maßnahmen schließen einander aus, aber würden auch nur zwei oder drei Handlungsempfehlungen umgesetzt, würde dies schon viel ändern. Die Risiken sind hoch, aber sie wachsen auch, wenn man diesem Krieg weiter zusieht.

Was kann man nach fünf Jahren Krieg überhaupt noch machen? Fünf Vorschläge.

1. Flugverbotszonen einrichten

Aleppos Krankenhäuser, Kindergärten und Märkte werden aus der Luft beschossen. Seit Anfang des Krieges war die völlige Schutzlosigkeit gegen Luftangriffe eines der größten Probleme der syrischen Zivilbevölkerung. Die Luftwaffe des Diktators Baschar al-Assad hat das gegen die Opposition und die sie unterstützende Bevölkerung ausgenutzt. Die russischen Kampfbomber kippen ihre Bomben völlig ungehindert auf Aleppo, ohne dass sie irgendjemand stört.

Gegen die Flugverbotszone spricht vor allem, dass jeder, der sie durchsetzen will, mit Russland in einen direkten Konflikt geraten könnte. Hinzu kommt, dass Russland an Baschar al-Assad wahrscheinlich Boden-Luft-Raketen geliefert hat, die Assads Milizen gegen gegnerische Flugzeuge richten könnten.

Aber wenn die Amerikaner und Europäer entschlossen ankündigten, den Luftraum über Aleppo oder über anderen Städten des Nordens und Südens nicht mehr allein den Russen und Assad zu überlassen, würden diese ins Nachdenken kommen. Wenn die Amerikaner durchblicken ließen, sie könnten vielleicht auch Assads Gegner mit Boden-Luft-Raketen ausrüsten, würden die Russen noch mehr nachdenken. Und am Ende eines langen Nachdenkens, gekoppelt mit der glaubwürdigen Androhung, etwas gegen den mörderischen Luftkrieg zu tun, könnte eine Einigung stehen, den Krieg aus der Luft in bestimmten Gebieten Syriens zu beenden. Eine Flugverbotszone gehört darum ganz oben auf die Tagesordnung jeder Syrien-Konferenz.

2. Opposition bewaffnen

Charles Lister, Syrien-Experte des Washingtoner Middle East Institute, hat Ende September eine Strategie mit dem Titel "Surge, Freeze and Enforce" vorgeschlagen. Sinngemäß übersetzt: "Aufrüsten, Einfrieren, Durchsetzen". Lister schlägt vor, gemäßigte islamistische Fraktionen mit Waffen auszurüsten, mit denen man sich zumindest gegen aus Hubschraubern abgeworfene Fassbomben, aber ebenso gegen vorrückende Bodentruppen des Regimes verteidigen könnte.

Mit "gemäßigt" und "islamistisch" meint er bewaffnete Gruppierungen im Süden an der Grenze zu Jordanien; Fraktionen, die bislang – allerdings mit minimalen Mitteln und in stümperhafter Umsetzung – von der CIA unterstützt wurden; sowie Gruppen, die derzeit an der Seite der Türkei gegen die IS-Terroristen kämpfen und erst am Wochenende wieder Kalifatskämpfer aus mehreren Orten vertrieben haben.

Würden die russischen Luftangriffe und Offensiven der schiitischen Assad-Milizen nämlich auf starken militärischen Widerstand stoßen, wäre das der Moment für Washington, Moskau eine Waffenruhe anzubieten – und eine Phase des "Einfrierens" einzuleiten. Im besten Fall würden so die humanitäre Versorgung von Hunderttausenden ermöglicht und Assad zu Kompromissbereitschaft und neuen ernsthaften Verhandlungen gezwungen.

Dass Barack Obama zu diesem Kurswechsel kurz vor Ende seiner Amtszeit bereit wäre, ist ebenso unwahrscheinlich wie Wladimir Putins Bereitschaft, statt auf Bomben auf Diplomatie zu setzen. Doch die Alternative zu einer Stärkung der Oppositionskräfte sieht düster aus: die völlige Zerstörung Ost-Aleppos – und ein noch größeres Blutvergießen unter der Zivilbevölkerung, wenn die mit Assad verbündeten Milizen einmarschieren. "Die Stadt muss gesäubert werden", ordnete der syrische Präsident vor wenigen Tagen an.