Eine große Molkerei wollte wissen, was die Hamburger von Bio-Lebensmitteln halten. Vierzehn Prozent der Befragten halten gar nichts von ökologischer Landwirtschaft – jene Gegenrevolutionäre, die sich von einer armlangen Möhre nicht kirre machen lassen: "Genmanipulation? Na und, belogen wird man doch überall!"

Erwartungsgemäß kaufen Blankenese, Ottensen und die Sternschanze am meisten Bio-Food. Die Schlusslichter bilden Wandsbek, Harburg und Bergedorf.

Sieht man genauer hin, ist das alles suspekt. Sind finanzschwache Stadtteile nicht eigentlich ökologisch versierter? Geldausgeben richtet Schaden an. Fliegen, SUV fahren, das Penthouse beheizen – alles schlecht für die Umweltbilanz. Die Biopapaya im Obstsalat ist ja nicht vom Alten Land herübergerollt. Die hat Jetlag, ideologisch gesprochen.

Bei Bergedorf muss man ganz vorsichtig sein, das ist der letzte verbleibende Hamburger Stadtteil mit nennenswerten Agrarflächen. Womöglich bauen die ihre Tomaten noch selber an. In Blankenese hingegen werden Grünflächen sofort umgewandelt, in Weideland für Ponys oder Golfplätze.

Dass sie in der Sternschanze mehr Bio kaufen, ist allerdings logisch: Da brauchen sie pestizidfreie Kost, um ihre vom Feiern ramponierten Körper wieder hochzupäppeln. Im migrantischen Harburg hingegen wissen sie auch ohne Bio-Bohei um die vitale Kraft von Grünzeug. Die Osmanen aßen schon Gemüse, als sich der Deutsche noch von Cholesterin (Soße, Pampe, Zeug) ernährte.