Geld machen

In Berlin oder Leipzig fragen sich Studenten, wo sie für mehr als fünf Euro pro Stunde kellnern können. In Hamburg fragen sich die Studenten, wie man unter dem Steuerfreibetrag bleibt. Hamburg ist die Stadt der studentischen Mitarbeiter. Noch bevor man sich für die erste Klausur anmeldet, wird ein erster Arbeitsvertrag unterschrieben. Der Stundenlohn liegt bei mindestens zehn, manchmal sogar 20 Euro. Der Urlaub ist bezahlt, die Krankheitstage sind es auch.

Das regelmäßige Gehalt weiß man mehr zu schätzen als die verlässliche Überweisung der Eltern zum Monatsanfang. Vor jeder Anschaffung steht dann die Frage: Ist mir das mein verdientes Geld wert?

Oft ist der Nebenjob der erste Schritt zur Festanstellung. Werkstudenten sammeln nicht nur Erfahrungen, sie sammeln auch Kontakte. Einstige Kollegen gelangen später in Leitungspositionen. Und der Typ, mit dem man in der Mittagspause über die Zukunft des Hamburger Rap philosophiert, bringt es später vielleicht zum Geschäftsführer. Statt "Bewerbungen richten Sie bitte an die Personalabteilung" heißt es dann: "Klar erinnere ich mich! Schick rüber, ich leite es gleich weiter."

Effektiv sein

Die Doppelbelastung durch Job und Uni verlangt nach einer vernünftigen und effektiven Planung. Effektiv heißt nicht: innerhalb der Regelstudienzeit fertig werden. Effektiv heißt: taktisch studieren. Kurse belegen, in denen keine Anwesenheitspflicht besteht. Professoren wählen, die Abgabefristen genauso entspannt sehen wie die für sie vorgeschriebenen Korrekturzeiten. Praktisch sind Vorlesungen von 18 bis 20 Uhr, dann kann man bis vier Uhr im Büro bleiben.

Mit der richtigen Organisation und ein wenig Geschick kann man den auf zwei Jahre angelegten Master in zwei Semestern stemmen. Dann bleibt im dritten Semester Zeit für ein Praktikum im Ausland. Schließlich lässt sich die geschobene Hausarbeit über die regionale Integration zwischen Israel und der EU besser in der Bibliothek der Hebrew University schreiben als in der Stabi mit ihrem überschaubaren Literaturbestand.

Entscheidungen treffen

In Hamburg werden neue Studenten noch vor dem offiziellen Semesterstart vor die wichtigste Wahl gestellt: Gehe ich zur OE? In der Orientierungseinheit für Erstsemester organisieren ältere Studenten Kneipentouren und Spieleabende. Es gibt viel Bier und ein bisschen studentisches Gemeinschaftsgefühl.

Unter den Studenten ist die OE umstritten. "Ich habe dort alle meine Freunde gefunden", sagen die einen. "Diese Woche war eine totale Farce, ich habe die Leute nie wieder gesprochen", die anderen.

Hamburger Studenten fühlen sich nicht als Kollektiv. Sie sind nicht aufeinander angewiesen. Während man freitags in Freiburg oder Halle entweder etwas mit den Kommilitonen unternimmt oder gar keinen Spaß hat, gibt es hier immer eine Alternative. "Und, was machen wir heute?" ist so ein Satz, den man in Hamburger Seminarräumen selten hört.