Da schreibt eine Lokalzeitung eine politische Wende nach rechts herbei, und deren Chefredakteur spürt bereits "eine feine Wechselstimmung" in der Stadt, die er, der auswärts wohnt, als failed city erlebt. Doch am Wahlabend zeigt sich: Es bleibt alles beim Alten. Auch in den nächsten vier Jahren wird Basel vermutlich links-grün regiert. Bei den Parlamentswahlen erzielten die Sozialdemokraten das beste Ergebnis seit 70 Jahren.

Die Meinungen waren schnell gemacht: Die Basler Zeitung und ihre Rechtsaußen-Verleger sind gescheitert. Medienmacht allein garantiert selbst Christoph Blocher und Markus Somm keinen politischen Einfluss.

Schaut man sich die Resultate vom vergangenen Wochenende aber etwas genauer an, wird klar: So einfach ist die Sache nicht.

Die Basler Zeitung (BaZ) hatte einen großen Einfluss auf das Wahlresultat. Nicht mit raunenden Samstagspredigten, sondern mit harten Recherchen. Nicht mit Klagen eines "schäbigen" und "ärmlichen" Bahnhofs in einer "schmutzigen" Stadt, welche die meisten Basler ganz anders erleben. Sondern mit dem, was Lokaljournalismus auszeichnet: mit Nähe – und Fakten.

Das ist eine gute Nachricht. Für den Journalismus. Und die Demokratie.

Fünf Regierungsräte wurden am Sonntag in Basel gewählt: Die Sozialdemokraten Eva Herzog und Christoph Brutschin, Lukas Engelberger von der CVP, der Liberaldemokrat Conradin Cramer und die grüne Elisabeth Ackermann. In einen zweiten Wahlgang hingegen müssen Ende November zwei amtierende Regierungsräte: Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP).

Mitten im Wahlkampf, Anfang Oktober, recherchierte ein Journalist der Basler Zeitung , dass mehrere Kadermitarbeiter der Polizei Dienstwagen auch privat nutzen, obwohl das verboten ist. Der Polizeisprecher räumte etwas unbeholfen ein, diese Praxis sei nicht "ganz kongruent mit dem Gesetz".

Andere Medien nahmen die Geschichte auf, und Sicherheitsdirektor Dürr musste wenige Tage vor den Wahlen im Parlament einräumen: Das Spesenreglement des Kantons sei verletzt worden, er habe dem Thema zu wenig Gewicht beigemessen, zu wenig schnell gehandelt.

Der größte Skandal von Baudirektor Hans-Peter Wessels liegt schon ein paar Jahre zurück. Im Sommer 2013 berichtet ebenfalls die Basler Zeitung ein erstes Mal über Korruption und Vetternwirtschaft bei den Basler Verkehrsbetrieben. Die Affäre weitete sich aus, schließlich mussten Direktor und Verwaltungsratspräsident den Betrieb verlassen. Und Verkehrsdirektor Wessels kassierte von der Geschäftsprüfungskommission eine scharfe Rüge: Er habe die Aufsicht "grob vernachlässigt".

Sicher: Baschi Dürr, vor allem aber auch Hans-Peter Wessels, wurden von der Basler Zeitung teils unsanft, teils zu Unrecht und vor allem immer wieder persönlich angegangen. Aber Kern der Kritik an ihnen waren belegbare Fakten. Vorgänge, die nachweisbar waren. Über die auch andere Medien berichteten. Davon ließen sich die Basler beeinflussen – und nicht von der Fabulierkunst publizistisch-politischer Vorbeter.

Also lautet die wahrscheinlich beste Nachricht, die am Sonntag aus Basel kam: Wer die Leser, wer die Bürger für blöd verkauft, wer ihnen ein X für ein U vormacht, der gewinnt weder Abos noch Wähler.

Oder um das Ganze etwas grundsätzlicher zu formulieren: Behauptungen verfangen nur dann, wenn sich die Fakten selber nicht oder nur schwer überprüfen lassen. Wenn die Informationen fehlen, wenn sich Lücken aufreißen, die sich mit Vermutungen, Verschwörungen füllen lassen.

Im Lokaljournalismus, in der Lokalpolitik funktioniert das nicht. Jeder, der in Basel wohnt, kann zum Fenster hinausschauen, und er wird erkennen: Die Straßen und Plätze sind sauber. Wer durch die Altstadt schlendert, vorbei am prächtigem Rathaus, der Universität, dem Theater, wird feststellen, wie sicher und schön die Stadt ist.

Wir leben in einem postfaktischen Zeitalter, heißt es. Der Wahlsonntag in Basel lehrt Journalisten wie Politiker: Unterschätzt niemals die Macht der Tatsachen.

Also schreiben, was ist, anschaulich politisieren. Belegen, nicht behaupten. So gewinnt man, Leser wie Wähler. Auch gegen eine Leitartikel schreibende Madame Etoile.