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Kirche und Politik sollten mehr auf Luther hören: den Leuten aufs Maul schauen und deutsch mit ihnen reden!Markus Söder, CSU, bayerischer Finanzminister

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Christ sein heißt frei sein, großzügig sein und voller Hoffnung. Christen sind Brückenbauer und keine Brückenwächter. Die zentrale Botschaft des neuen Testaments heißt: "Fürchtet euch nicht", und deshalb glauben Christen fest daran, dass das Beste noch kommt. Christ sein heißt auch, manchmal fünfe gerade sein zu lassen. Ein prima Christ ist Franziskus, schade, dass er kein Protestant ist.
Harald Lesch, Astrophysiker

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Der Schatz der Kirche sind nicht die Kirchensteuerzahler, sondern die, die von Herzen geben.
Gerhard Polt, Kabarettist

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Christlich sein heißt das Doppelgebot der Liebe ernst nehmen, das Jesus uns mit auf den Weg gegeben hat: Gott und den Nächsten lieben. Beides kann nie auseinandergerissen werden. Nächstenliebe ohne Gottesbeziehung würde uns abschneiden von den Kraftquellen, aus denen wir leben. Gottesdienst ohne Nächstenliebe wäre bloßer Kult. Radikale Liebe zu Christus heißt radikale Liebe zur Welt. Es heißt öffentliche Einmischung da, wo die Schwachen ignoriert oder mit Füßen getreten werden. Wer fromm ist, muss auch politisch sein. Christlich sein heute, das bedeutet, aus der Zuversicht zu leben. Fest darauf zu vertrauen, dass Gewalt und Unrecht nicht das letzte Wort haben.
Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

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Als kleiner Junge fand ich Glauben toll. Ich ging in die Kirche und hörte den Satz: "Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." Super, dachte ich, ich bin ein Kind, ich komme ins Himmelreich. Heute ist der Glaube die Basis meines Lebens. Am schönsten, wenn ich das kindliche Urvertrauen spüre. Wenn Christsein Geborgensein ist.
Kilian Trotier, Redakteur ZEIT:Hamburg

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Die große Zeit des Christentums liegt nicht hinter uns. Sie liegt noch vor uns. Das Evangelium ist für Deutschland und Europa noch lange nicht "ausgereizt".
Reinhard Marx, Kardinal, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)

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Christlich ist, sich nie über einen anderen Menschen zu erheben. Und christlich ist es, nie jemandes Stiefel zu lecken. Deshalb: Nie herrisch sein und nie hündisch!
Matthias Naß, Internationaler Korrespondent der ZEIT

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Luther macht die Bibel zum Maßstab. Dort sagt Jesus: "Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen."Wer Fremde beherbergt, sich der Menschen auf der Flucht erbarmt, steht in der Nachfolge Jesu von Nazareth. Nicht Pegida verteidigt das vermeintlich christliche Abendland, sondern Menschen in all den Gemeinden, die für Geflüchtete einstehen, verteidigen christliche Werte!
Margot Käßmann, Reformationsbotschafterin

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Christsein in dieser friedlosen Welt heißt: Sagen, was ist, damit es nicht so bleibt.
Thomas Schiller, Chefredakteur epd

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Ich denke, Luthers "Christenmensch" sollte frisch, fromm, fröhlich, frei sein. Frisch: Die Begegnung mit ihm erfrischt. Fromm: Man merkt, dass ihn der Glaube trägt. Fröhlich: Er strahlt die Leichtigkeit der Erlösten aus. Frei: Er ist offen gegenüber allen Menschen.
Joachim Zirkler, Pfarrer, Lutherischer Weltbund

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Auch wir Muslime brauchen eine Reform(ation). Luther und den Islam verbindet die Einsicht, dass keine vermittelnde Instanz zwischen Gott und Mensch nötig ist. Allahs Barmherzigkeit ist grenzenlos. Mit dieser Einsicht beginnt die Freiheit. Wir brauchen muslimische "Luthers"!
Abdel-Hakim Ourghi, Professor für Religionspädagogik

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Christlich bedeutet heute, auch als Protestant Luther gegenüber kritisch zu sein. Er schuf eine der bedeutendsten Bibelübersetzungen der Welt, aber ließ (in folgenschweren religiösen Vorurteilen gefangen) dem Volk der Bibel keine Gerechtigkeit widerfahren.
Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main

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"Wir nehmen auch Muslime!" Leider muss man das noch einmal sagen. Zwar boten die Deutschen im vergangenen Jahr Hunderttausenden bedrängten Mitmenschen Schutz. Doch: "Wir nehmen nur Christen", tönten selbst ernannte Bewahrer unseres christlichen Abendlandes. Wie hohl und kalt wären unsere stolzen Kathedralen ohne Mitgefühl. Unser christliches Bekenntnis wäre seit 2.000 Jahren vergessen, hätte Jesus in der Kernfrage der Barmherzigkeit Unterschiede akzeptiert.
Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin

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Christlich ist, was Christus entspricht. Also muss er unser Maßstab, Fundament und Quelle sein. Da sind wir uns einig. Vor ihm sehen wir zwar beide, die Katholischen wie die Evangelischen, schlecht aus. Doch etwas Besseres als Jesus Christus gibt es nicht. Luther hat zu Recht gesagt: Es gilt, "was Christum treibet". Ließen wir uns ganz von ihm treiben, wären wir längst eins. Nach 500 Jahren ist es darum höchste Zeit, ganz zu werden, was wir sind: Christen.
Walter Kasper, emeritierter Kurienkardinal

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Das größte Problem, das ich heute mit meiner Kirche habe, ist, dass sie mir nicht dabei hilft, zu glauben. Nur Menschen, die begnadet sein müssen oder sehr naiv, schaffen es als Erwachsene, weiter ungebrochen am Glauben festzuhalten. Die Regel sind doch eher der bohrende Zweifel und lange Phasen der Abgewandtheit, in denen man sich nicht mehr aufgehoben fühlt bei seinem Gott. Die ernüchternden Erkenntnisse der Wissenschaftler, auch der Historiker, über Jesus und seine Zeit tun ihr Übriges. Wir gehen in die Kirche und halten schon die Tatsache, dass wir dort nicht alleine sind und den Rahmen der Liturgie haben, für eine Bestätigung, dass es da irgendwo etwas geben muss. Ich wünschte mir, dass man mit den Zweifeln nicht allein gelassen wird. Aber es kommt mir manchmal so vor, als ob das die Frage ist, die Christen heute am meisten verdrängen: "Bist du eigentlich sicher, dass du glaubst?"
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT

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Die Kirche, vollgestopft mit Barockengeln. Der Altarraum, vollgestopft mit Kommunionskindern. Mittendrin ein Pfarrer namens Heil – schönes Detail. Mit einer Pranke Köpfchen tätschelnd, mit der anderen Hostien verteilend. Da piepst es: "Bisschen trocken. Gibt’s die auch mit Marmelade?" Die Kinder kichern, der Pfarrer wütet. Ich finde meinen Spruch bis heute gut. Das Christentum? Viel Glaube. Wenig Humor.
Rudi Novotny, ZEIT-Redakteur, Chancen

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Der Kern des Christentums besteht in der Gewissheit, dass Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, in seinem Sohn Jesus Christus Gestalt angenommen hat und als Mensch geboren wurde; dass also der Schöpfer zu seinem eigenen Geschöpf geworden ist, um die für die Menschenseele tödliche, von Adam ererbte Sünde auszulöschen und jedem einzelnen Menschen die Möglichkeit einer Rückkehr zu der diesem von Beginn an zugedachten Gottebenbildlichkeit zu eröffnen.
Martin Mosebach, Schriftsteller

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Ich bin froh, dass vor uns nicht mehr die Trennung der Kirche liegt wie 1517. Wir Christen sind auf dem Weg zur Einheit. Sie hat bereits begonnen. Papst Franziskus, der wie Luther vom Vertrauen auf Jesus Christus erfüllt ist, macht mir als evangelischem Pfarrer Mut.
Jens-Martin Kruse, evangelischer Pfarrer in Rom