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Vertrauen, Hoffnung und Gelassenheit sind Geschenke des christlichen Glaubens: das Vertrauen darauf, dass das Leben einen Sinn hat, die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, und schließlich die Gelassenheit, weil wir "nie tiefer fallen können als in Gottes Hand".
Reiner Haseloff, Ministerpräsident, Sachsen-Anhalt

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Die Kirche Christi verbindet Zeit und Ewigkeit. Deshalb steht der Glaube an das ewige Leben seit mehr als 1.500 Jahren am Ende des Credos aller Christen. Und der Glaube an Gott, den Schöpfer, am Anfang. Ohne diese beiden Glaubenssätze könnte das Schifflein Christi wohl kaum das Meer des dritten Jahrtausends durchqueren.
Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der KNA

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Um 3.45 Uhr aufstehen! Von seinem Glück nichts abgeben, Populismus mit Populismus bekämpfen, Menschen nach Hautfarbe, Religion, Sexualität beurteilen, den Untergang des Abendlandes propagieren und dabei die Nächstenliebe mit Füßen treten, Arm gegen Ärmer ausspielen – all das ist unchristlich. Sorry, wie war noch mal die Frage? Ach so. Fakten umdrehen, bis sie einem in den Kram passen, ist auch nicht christlich.
Dunja Hayali, Fernsehmoderatorin

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Christlich, zutiefst christlich ist, auf eine Selbstrettung des Menschen, auch eine Rettung der Welt durch den Menschen nicht zu setzen. Ohne die Gnade Gottes geht gar nichts, selbst der Glaube ist eine Gnade. Die Autonomie des Menschen wird radikal begrenzt. Unchristlich ist der Gedanke der Machbarkeit. Für die Moderne und ihr Fortschrittsvertrauen muss wahres Christentum ein Ärgernis sein und bleiben.
Jens Jessen, ZEIT-Redakteur im Feuilleton

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Mit 20 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten. Meinem Vater, der Pfarrer war, habe ich das nie gesagt. Meine Werte konnte ich mit dem Wort christlich, das Parteien für sich vereinnahmen, nicht mehr in Einklang bringen. Christlich heißt für mich einfach: nicht hassen. Jetzt, da mein Vater nicht mehr da ist, bin ich sicher, er hätte mich verstanden.
Peter Lohmeyer, Schauspieler

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Christlich ist die Friedensbotschaft Jesu und das oberste Gebot: Du sollst nicht töten – wider alle Ideologie vom gerechten Krieg. Christlich ist Luthers Mahnung: "Man lasse die geyster auff eynander platzen vnd treffen. Aber die faust halltet stille."
Christoph Dieckmann, Reporter der ZEIT

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Christ zu sein bedeutet für mich, an Gott zu glauben, an die Auferstehung und an die versöhnende Botschaft des Neuen Testaments, verkörpert durch Jesus Christus. In der Welt von heute bedeutet Christ sein für mich auch, in die Welt zu gehen, in der Welt zu bestehen und in der Welt zu handeln – in Verantwortung und Demut vor Gott.
Thomas de Maizière, Bundesinnenminister

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Tue Gutes – aber überlege erst, wie das, was du zu tun beabsichtigst, tatsächlich wirkt, damit die gute Absicht keine bösen Konsequenzen hat.
Hans-Werner Sinn, Ökonom

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Als evangelischer Kantor der Dresdner Frauenkirche bin ich von der verbindenden Kraft der Musica Sacra überzeugt. Unser Chor tritt in Dresden nicht nur vor Christen auf. Und wir waren als Botschafter der Versöhnung auch schon beim Papst in Rom. Verbunden sind wir alle durch den Einen.
Matthias Grünert, Kantor, Frauenkirche Dresden

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Ein Menschenrecht auf ein Geheimnis, auf einen Raum des unerschütterlichen Vertrauens. Dafür sollen Christen sich einsetzen und die Kirchen, die seit Jahrhunderten diesen Raum hüten. Das Wort "Transparenz" in der digitalen Gesellschaft hat für politische Institutionen zu gelten – nicht für den einzelnen, zunehmend gläsernen Menschen.
Johanna Haberer, Professorin für Theologie

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Ich bin in Sorge, dass wir mit der Digitalisierung die politische Steuerung der Gesellschaft verlieren. Andererseits hoffe ich, dass wir Christen eine Zukunftsoption sind. Die Zukunft erfordert, dass sich jede Glaubensüberzeugung oder Weltanschauung in den Dienst der gesamten Menschheit stellt. Davon sind wir leider sehr weit entfernt.
Dieter Althaus, Ministerpräsident a. D.

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Christlicher Glaube befreit aus selbst verschuldeter Unmündigkeit. Er ist das Fenster der Vernunft. Wer es öffnet, atmet den Geist der Freiheit. Zynismus hat keinen Platz.
Christian Wolff, evangelischer Pfarrer in Leipzig

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Der von Luther verordnete Selbstzweifel macht vielleicht nicht immer rasend glücklich. Aber wer mit Bomben und Macheten hantiert, um diesen Selbstzweifel in Schach zu halten, blutet schneller aus.
Mariam Lau, ZEIT-Redakteurin Hauptstadtbüro

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Christsein heißt contemplatio in actione. Die Unterscheidung der Geister im Durcheinander dieser Welt praktizieren; Gott suchen und finden in allen Dingen; sich voll und ganz einsetzen, weil Gott uns hält.
Hans Zollner, Jesuit

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Mich interessieren Zusammenhänge zwischen Religion und politischer Ordnung. Zum Beispiel fällt ins Auge, dass auf dem Index wahrgenommener Korruption, den Transparency International jährlich veröffentlicht, die Integritäts-Spitzenplätze kontinuierlich von protestantisch geprägten Ländern besetzt sind.
Gertrude Lübbe-Wolf, Bundesverfassungsrichterin a. D.

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Christ sein heißt, im Leben und Sterben seine Hoffnung auf Christus zu setzen. In diesem Bekenntnis findet sich die Kirche geeint.
Gerhard Ludwig Müller, Kardinal und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre

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Dort, wo die Urchristen lebten, braucht es Sicherheit für Christen. Ihre Zukunft im Entstehungsgebiet der Botschaft Christi ist Voraussetzung für den friedlichen Dialog. Das Christentum darf nicht nachlassen, das offene Gespräch mit der anderen großen Religion, dem Islam, zu führen.
Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

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"Christ sein bedeutet, nicht gewalttätig zu werden, wenn jemand einen Witz über den Heiland macht, keine Fahnen anzuzünden, keine Menschen zu töten, sondern, wenn der Witz gut ist, zu lachen. Auch Jesus hatte Humor: Er stellte sich drei Tage tot, nur um seine Jünger zu erschrecken."
Felix Dachsel, ZEIT-Redakteur im Ressort Z

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Luther sagt: "Der Glaube ist und soll auch sein ein Stehfest des Herzens, der nicht wackelt, bebt, zappelt und zweifelt, sondern fest steht und seiner Sache gewiss ist." Glaube ist somit kein Glaube an etwas, sondern ein im Innersten gewonnenes Lebensvertrauen. Es hilft, Selbst- und Weltzweifel ebenso zu bestehen wie Belastungen und Ängste.
Friedrich Schorlemmer, evangelischer Theologe

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Für mich ist es unchristlich, die Welt zu verachten, nur weil sie plural ist. So macht man Religion zur Waffe. Ohne Pluralismus keine Aufklärung. Wer davor Angst schürt, vor dem muss man Angst haben.
Eva Bucher, ZEIT-Autorin

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Christlich ist, wer den Lehren Jesu nachstrebt. Heute würde das bedeuten, angesichts der Verbrechen der Kirchengeschichte um Vergebung zu bitten. Und den Andersgläubigen und Ungläubigen ein Vorbild an Toleranz zu werden.
Gero von Randow, ZEIT-Redakteur Politik

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Christlich handeln heißt ethisch handeln und Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Das gilt für Unternehmer und Manager genauso wie für jeden Einzelnen. Es kommt auf die Tat an. Dieser Kern der Reformation gilt unverändert.
Rolf Buch, Vorstandschef, Dax-Konzern Vonovia

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Sich dem Leben stellen, der von Gott anvertrauten Verantwortung! Das eigene Leben teilen, andere sehen, fühlen, achten, lieben! Etwas bewegen für die, die es selber nicht können und schaffen! Gutes tun und fröhlich jeden Tag wieder neu Christin werden.
Andrea Nahles, Bundesarbeitsministerin

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Ein Christ soll Aug und Ohr aufmachen für das, was nottut. Er soll das Herz aufmachen, auch seine Grenzen. Er soll sich aufmachen. Offen sein. Aufbruch wagen. Ein guter Aufmacher wäre, wenn die katholische Welt zum Reformationsjubiläum titelte: "Versöhnte Verschiedenheit wird Wirklichkeit".
Markus Schächter war Intendant des ZDF und berät jetzt den Vatikan

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Christlich sein heißt auch heute antimodern sein, den Widerstand gegen den Zeitgeist zu wagen – auch wenn man dadurch Nachteile hinnehmen muss. Das war zur Zeit Jesu nicht anders als zu jener Thomas von Aquins, Luthers, des "Dritten Reichs" oder der DDR-Diktatur.
David Berger, katholischer Theologe

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Die Bibel, das Buch aller Christen, versammelt die schönsten, die schwierigsten Texte. Ihre Botschaft ist kein Rezept. Sie unterliegt dem ständigen Strom der Lesarten und Deutungen. Die katholische Kirche hat – trotz aller Entgleisungen – den Strom gebändigt und das genuin Christliche über 2.000 Jahre hinweg bewahrt. Man kann es nicht definieren. Man sollte es feiern: in Liturgie und Eucharistie.
Ulrich Greiner, Kulturkorrespondent der ZEIT

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Je mehr die christlichen Kirchen auf Randfragen fixiert sind, desto mehr verlieren sie ihre Mitte aus den Augen. Wenn Gott nicht im Mittelpunkt steht, schaffen die Kirchen sich selbst ab.
George Augustin, Professor für Dogmatik