Es gibt Ideen, die sind so einleuchtend, ja zwingend, dass sie ein Eigenleben beginnen. Hier ist eine solche Idee, sie betrifft den chronisch überlasteten Hamburger Hauptbahnhof: Wäre es nicht gut, morgens, wenn die Massen der Pendler in ihren Pendlerzügen eintreffen, die Rolltreppen nur noch aufwärts laufen zu lassen? Das würde den Stau auf den überfüllten Treppen verringern – und die wenigen Fahrgäste, die sich wirklich ausgerechnet diese Tageszeit für eine Abreise mit schwerem Gepäck aussuchen, können schließlich auch die Fahrstühle nutzen, um hinunter auf die Gleise zu gelangen. Ist das nicht einleuchtend?

Gabriele Förster aus Bergedorf sieht das so. Morgen für Morgen, meist gegen halb sieben, muss sie als Pendlerin das Bahnhofsgedränge ertragen. "Manchmal kommen zwei Züge fast gleichzeitig an. Die Treppen sind da ein regelrechtes Nadelöhr", schreibt sie, und rätselt, welche Hindernisse ihrer Lösung wohl entgegenstehen mögen. "Ist es schwierig, die Richtung der Rolltreppen zu wechseln?"

Gute Frage: Gibt es Auf- und Abwärtsrolltreppen, angetrieben womöglich von Elektromotoren, die einen Totalschaden erlitten, müssten sie die Richtung ändern? Oder ist der Moment der Umschaltung heikel, weil es zu Panikreaktionen unter den Rolltreppennutzern kommen könnte? Muss immer wenigstens eine Rolltreppe abwärts laufen, damit die Abreisenden nicht wider Willen vom Strom der ankommenden Pendler mit nach oben gerissen werden? Oder würden die gleichgeschalteten Rolltreppen schlicht zu viele Menschen in zu kurzer Zeit auf die Fußwege oberhalb der Gleise befördern, sodass es dort unerträglich eng würde?

Je länger man darüber nachdenkt, desto klarer wird, welch eine Vielzahl von Schwierigkeiten mit dem doch so einleuchtenden Vorschlag verbunden sind.

Was aber sagt man bei der Deutschen Bahn, die es doch am besten wissen muss?

Das Folgende: "Die Fahrtreppen von den Bahnsteigen in Richtung Wandelhalle laufen generell nach oben. Ausnahme ist es am Bahnsteig der Gleise 11/12: Dort gibt es zwei Fahrtreppen, die immer gegenläufig sein müssen (eine Fahrtreppe nach oben, eine nach unten). Am Südsteg werden alle Fahrtreppen ab 6 Uhr aufwärts geschaltet. Ab 9 Uhr laufen die Treppen dann wieder nach unten."

Die Bahn macht es genau so, wie Frau Förster aus Bergedorf es vorschlägt. Nachfrage bei Frau Förster: Kann das sein? Ja, schreibt Frau Förster. Gefühlt seien es drei Wochen, dass alle Rolltreppen früh morgens nach oben führen. Vorher habe es das nur unregelmäßig gegeben.

Das Problem hat sich also gelöst, noch ehe wir darüber berichten konnten. Eine Premiere für diese Kolumne. Wir fragen uns nun etwas beunruhigt, ob nicht nur wir Zugriff auf die Fragen haben, die unsere Leser uns zusenden.