DIE ZEIT: Herr Haselsteiner, Sie haben sich vor der ersten Stichwahl eher zurückgehalten. Nun setzen Sie viel Mittel für eine Kampagne ein, um Norbert Hofer zu verhindern. Was hat sich seit Mai geändert?

Hans Peter Haselsteiner: Der Brexit. Der ist mir wirklich unter die Haut gegangen. Ich hatte damit nicht gerechnet und hätte bei einer Wette darauf alles verloren. Marine Le Pen, Strache und andere haben das dann auch noch gefeiert. Das hat mich erschreckt. Die FPÖ will ja einen Öxit. Die stellen alles infrage, was in Europa aufgebaut wurde. Wohin soll das führen, wenn man es zu Ende denkt?

ZEIT: Was glauben Sie?

Haselsteiner: Zu europäischen Nationalstaaten, mit eigenen, egoistischen Interessen. Die sind in der Union schon schlimm genug, aber da sind sie wenigstens kanalisiert. Wenn sie das nicht mehr sind, dann schließe ich leider gar nichts aus.

ZEIT: Das klingt etwas arg dramatisch.

Haselsteiner: Das ist auch dramatisch. Wir sind nicht gefeit vor rechtspopulistischen Diktaturen, ob das jetzt ein Orbanismus oder dieses rechtskatholische Dings in Polen ist – das ist mir alles zuwider. Es kann doch nicht sein, dass die europäischen Länder, insbesondere Österreich, in eine solche Zukunft steuern. Ich sehe meine Aufgabe darin, eine andere Mehrheit sicherzustellen, durch Aufrütteln, durch Aufmerksammachen.

ZEIT: Warum soll das Ihre Aufgabe sein?

Haselsteiner: Ich habe vor geraumer Zeit das Buch Geschichte eines Deutschen von Sebastian Haffner gelesen

ZEIT: ... die Memoiren eines Schriftstellers und Journalisten, der die Entwicklung Deutschlands zwischen 1914 und 1933 beschreibt.

Haselsteiner: Das Buch hat mich tief beeindruckt und schockiert. Es beschreibt, wie eine Gesellschaft in die Katastrophe schlittert, weil es keine Initiative gab, die zum richtigen Zeitpunkt gesagt hat: Das wollen wir nicht! Und ich möchte nicht der sein, der nicht den Mund aufgemacht und gesagt hat: Ich bin dagegen.

ZEIT: Sie vergleichen den Weg ins "Dritte Reich" und zur Machtergreifung Hitlers mit heute?

Haselsteiner: Wir werden kein "Drittes Reich" mehr kriegen. Aber wir sind nicht gefeit davor, dass wir die Demokratie verlieren. Es gibt ja bereits Entwicklungen wie in der Türkei oder in Ungarn. Und ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, nichts getan zu haben, obwohl ich die Mittel und die Möglichkeiten gehabt hätte.

ZEIT: Überschätzen Sie nicht die Macht der Hofburg? Der Einfluss Hofers als Bundespräsident wäre doch begrenzt.

Haselsteiner: Er wäre ein erstes Puzzleteil. Er wird Entwicklungen wie den Öxit zulassen oder sogar fördern – vielleicht nur still und heimlich. Seine Aussagen und Stellungnahmen dazu sind aber klar. Die FPÖ ist dazu bereit, österreichische Interessen zu negieren, wenn es ihr politisch etwas bringt. So wie es Nigel Farage und Boris Johnson in Großbritannien getan haben. Wenn man die Stimmung entsprechend manipuliert, dann wäre so ein Referendum auch in Österreich möglich.

ZEIT: Und Sie haben die Gegenmanipulation gestartet?