Der Horror ist auch nicht mehr, was er mal war. Er war nämlich mal lustig, immer an Halloween oder an Karneval. Neuerdings jedoch geschieht etwas ganz anderes: Mit Clownsmasken verkleidete Menschen, wir sagen mal: Männer, bedrohen unschuldige Leute in den Straßen deutscher Städte.

Mit gruseligen Masken vermummte Einzelne springen aus dem Gebüsch hervor, lauern hinter Toilettenhäuschen, steigen ins Zugabteil, um Schrecken zu verbreiten. In mehreren Bundesländern bedrohten sie Passanten mit Messern und Baseballschlägern oder erschreckten sie einfach nur mit ihrem diabolisch verzerrten Grinsen. Über hundert solcher Vorfälle soll es in der vergangenen Woche gegeben haben, die Polizei warnt vor einem gefährlichen neuen Trend.

Warum tun sie das, fragen sich viele.

Man könnte auch fragen: warum nicht? Erscheinen die Horror-Clowns denn wirklich so unvermittelt?

Nach einem Sommer voller Schrecken wirkt ihr Auftreten nahezu logisch. Als Spiegelungsfiguren verbinden sie alle unguten Mechanismen: höhnische Täter, die mit der Angst ihrer Opfer spielen, Medien, die sich auf dieses Spiel stürzen, eine Bevölkerung, die ständig fürchtet, angegriffen zu werden. Ungewollt angelegte innere Verdachtslisten – weiße Lkw, potenzielle Terroristen, potenzielle Pegidisten – sprengen die Clowns mühelos, denn auf sie kann sich wirklich niemand vorbereiten. Wie eine Metapher willkürlichen Terrors stehen sie plötzlich da.

Und im Gegensatz zu den Fratzen der anderen (extreme Rechte, mordende IS-Schergen) wird ihr Handeln nicht von Worten begleitet. Das Schweigen hinter der Maske ist so furchterregend, weil es keinen ideologischen Beipackzettel mitliefert. Nichts, was man analysieren, kein verqueres Denken, das man verdammen oder pädagogisch verhandeln könnte, in der Hoffnung, es doch mit etwas Rationalem zu tun zu haben. Selbst diese verzweifelte Hoffnung wollen diese Clowns zerstören. Sie fühlen sich mächtig. Doch sie sind nur eine ungewöhnlich dumme Mode.

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