Philipp Welte geht stakkato durch eine Hamburger Büroetage des Burda-Verlags. Wo soll er fürs Interview nun eigentlich sitzen? Auf Bitte des Fotografen nimmt er schließlich widerwillig einen niedrigen Stuhl. Von links scheint die grelle Herbstsonne. Dann sein Auftritt: Ein bisschen Showbühne, ein bisschen Chicago-Gangster, Tatmensch und Macho.

Philipp Welte: Wie lange müssen wir hier sitzen?

DIE ZEIT: Wieso?

Welte: Sitzen ist das neue Rauchen. Es macht mich unruhig.

ZEIT: Sieht Ihr eigenes Büro in München entsprechend aus?

Welte: Ich arbeite meist im Stehen und habe auch einen Konferenztisch, an dem alle stehen. Wenn Menschen sitzen, kommen sie zur Ruhe. Aber die Zeit, in der wir leben, passt gar nicht dazu.

ZEIT: Sie sind im Geschäft mit Stars und Prominenten, Vorstand bei Hubert Burda Media. Was genau ist Ihre Rolle?

Welte: Ich versuche Marken- und Produktwelten so zu inszenieren, dass Menschen daran Freude haben.

ZEIT: Sie sind für Modezeitschriften wie InStyle verantwortlich, die deutschen Ausgaben von Elle und Harper’s Bazaar – und zugleich für die Bambi-Preisverleihung.

Welte: Ich mache bei Bambi jedes Jahr ein bisschen von allem, bin Ideengeber für die Inszenierung, für die Regie, fürs Drehbuch. Und am Ende bin ich vor allem Produzent, weil ich die wirtschaftliche Verantwortung trage. Es ist die größte und glamouröseste Preisverleihung in Deutschland. Am 17. November ist es wieder so weit.

ZEIT: Wie teuer ist Bambi?

Welte: Durchaus teuer, weil dieser Abend im internationalen Vergleich standhalten sollte.

ZEIT: Die Gala wird von der ARD live übertragen. Deren Zuschauer sind durchschnittlich über 60 Jahre alt. Wie der Bambi.

Welte: Wie wir Großeltern und Enkel gleichermaßen erreichen, ist eine der großen Aufgaben. Bei der letzten Verleihung hatten wir 3,6 Millionen Zuschauer und insgesamt 5,3 Milliarden Kontakte über alle Medien hinweg, davon allein drei Milliarden in den sozialen Netzwerken. Wir sind also auf einem guten Weg.

ZEIT: Spiegelt ein Preisträger die Hinwendung zu den Jungen in diesem Jahr besonders wider?

Welte: Musiker, die heute groß werden, beginnen ihre Karriere oft im Netz. So wie der DJ und Weltstar Felix Jaehn aus Hamburg. Er wird in diesem Jahr beim Bambi eine wichtige Rolle spielen.

ZEIT: Treffen Sie viele Stars persönlich, die Zeitschriftenleser nur vom Foto kennen?

Welte: Sicher kommt man außergewöhnlichen Menschen näher, wie etwa Muhammad Ali oder Bill Clinton. Sie gehören zu den charismatischsten Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Oder Michael Jackson, mit dem ich mehrere Jahre darüber geredet habe, wie wir es schaffen, dass er zum Bambi kommt.

ZEIT: Und?

Welte: Es ist am Ende gelungen, aber auch das ist schon wieder lange her, fünfzehn Jahre.

Die Arbeit von Philipp Welte hat zwei Seiten. Man könnte auch sagen, er hat zwei. Es gibt den glamourösen Welte, der Weltstars begegnet und Millionen Menschen unterhält. Und es gibt den anderen Welte, den harten Sanierer. Nur weil er den Verlag so stark umgebaut hat, wirft das Zeitschriftengeschäft trotz sinkender Werbeerlöse weiter üppige Gewinne ab.

ZEIT: Sie haben 1994 bei Burda angefangen, da waren die Zeiten noch golden ...

Welte: Nein. Die siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren die eigentlichen Glanzzeiten. Und wieso? Weil Mangel herrschte. Ein Mangel an Werbeflächen genauso wie ein Mangel an Informations- und Unterhaltungsangeboten.