Überraschung! Dass ausgerechnet die Grünen die umstrittenen Studiengebühren wieder auf die Tagesordnung der Bildungspolitik setzen, war nicht zu erwarten. Doch genau das ist geschehen. Theresia Bauer, die der Ökopartei angehört, ist Wissenschaftsministerin in Baden-Württemberg. Sie muss sparen – wie die anderen Mitglieder der grün-schwarzen Landesregierung. 48 Millionen Euro pro Jahr. Aber statt die Ausgaben für Kunst und Kultur zu kürzen, hat sie sich auf die Suche nach neuen Geldquellen gemacht.

Fündig wurde sie bei den ausländischen Studenten. Genauer bei den Studenten, die nicht aus einem EU-Land stammen und nicht in Deutschland ihr Abitur gemacht haben (Flüchtlinge sind ausgenommen). Von ihnen will sie nach einer ersten Kalkulation Studiengebühren in Höhe von 1.500 Euro pro Semester kassieren. Nicht sofort, aber in ein paar Jahren soll damit die Finanzierungslücke geschlossen werden. Ein Teil der Einnahmen soll an die Universitäten fließen, um damit gezielt die Studienbedingungen für ausländische Studenten zu verbessern.

Grüne und sozialdemokratische Bildungspolitiker aus anderen Bundesländern sind empört. Das Umsonst-Studium hat sich in den vergangenen Jahren als links-grüner Wahlkampfschlager bewährt.

Gerade weil Studiengebühren nicht populär sind, ist Theresia Bauers Vorstoß mutig. Und er ist vernünftig. Unsere Universitäten und Fachhochschulen brauchen dringend Geld. Weshalb verschenken wir dann Studienplätze an junge Leute aus Nicht-EU-Staaten (wir sprechen hier nicht von Entwicklungsländern, sondern etwa von Russland und China), während unser Nachwuchs in deren Heimat zur Kasse gebeten wird?

Das Umsonst-Studium ist auch keineswegs eine gute Werbung für Deutschland. Studenten aus dem Ausland sind durchaus bereit, für Qualität zu zahlen. Die besten chinesischen Studenten etwa gehen zum Studium in die USA. Die dortigen sehr hohen Studiengebühren schrecken sie nicht ab, sondern wirken sogar anziehend.

Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer sind keine Erfindung der mutigen Südwest-Grünen. Die FDP hat sie auch schon propagiert. Und sogar Jürgen Zöllner hat sie gefordert. Allgemeine Studiengebühren hatte der langjährige sozialdemokratische Wissenschaftsminister (Rheinland-Pfalz) und Wissenschaftssenator (Berlin) dagegen immer abgelehnt.

Es ist zu hoffen, dass Theresia Bauer ihren vernünftigen Vorschlag nach der grundsätzlichen Anerkennung durch das Kabinett auch durch das Parlament boxen kann.

Ob dadurch das Tor für allgemeine Studiengebühren geöffnet wird, ist ungewiss. Doch die Wette sei hier gewagt: Sie werden wiederkommen. Die Hochschulen brauchen Geld, und es ist nicht einzusehen, dass der Steuerzahler einer privilegierten Gruppe junger Menschen, die danach im Durchschnitt sehr gut verdienen wird, die Ausbildung schenkt.