Vor 70 Jahren schlossen sich die Walfangländer dieser Welt zusammen, um darüber zu beraten, wie man die Jagd auf die Giganten am besten organisiert. In dieser Woche machte der Club einen Schritt, um noch mehr von einer Jagd- zu einer Schutzorganisation zu werden. In Portoroz, Slowenien, beraten die 88 Mitgliedsstaaten über Schutzgebiete und Meeresverschmutzung. Bis Freitag dauert das zweijährliche Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC).

Als Jagdverbände sind noch die Flotten dreier Länder unterwegs: Island, das seine Fangquoten bei Weitem nicht ausschöpft, Japan, das behauptet, die Wale zu wissenschaftlichen Zwecken zu töten (das Fleisch aber in Supermärkten und Restaurants verkauft), und Norwegen, dessen staatlich subventionierte Walfangindustrie mehr Tiere schlachtet als Japan und Island zusammen.

Die beiden nordeuropäischen Staaten jagen offen kommerziell. Japan dagegen nutzt ein Schlupfloch und begründet seine Aktionen mit gewundenen Phrasen: Man schieße die Tiere ab, um etwas über das Fressverhalten, die Dynamik der Population und die Größe der Bestände zu erfahren. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag, das höchste UN-Gericht, verbot der Flotte zwar 2014, unter solch fadenscheinigen Argumenten auszulaufen. Das hielt sie aber nicht davon ab, es 2015 trotzdem zu tun. Genauso verpuffte die Wirkung eines offenen Protestbriefs in Nature, den jene Wissenschaftler formuliert hatten, die Jahr für Jahr die Aufgabe haben, den japanischen Antrag durchzusehen (siehe ZEIT Nr. 7/16).

Die Forscher machen Japan Vorschläge, wie man ohne Harpune zu Ergebnissen kommen könnte, obwohl sie wissen, dass es dem Land im Kern nicht um Forschung, sondern um nationale Souveränität geht. Japan ignoriert die Vorschläge der Experten aus triftigen Gründen. Gäbe es beim Walfang nach, müsste es sich auch der Diskussion um Fangquoten bei Arten wie dem Luxusfisch Thun stellen.

Australien und Neuseeland fordern, jeden wissenschaftlichen Abschuss von der IWC genehmigen zu lassen. Das gefällt Japan genauso wenig. In einem Diskussionspapier fordert die Inselrepublik, das Moratorium für einzelne Populationen aufzuheben. Schließlich hätten sich viele Bestände erholt, sodass sie sich "nachhaltig nutzen" ließen.

Ein absurdes Schauspiel, bei dem Tiere zum politischen Spielball und ihr Lebensraum zum – im wörtlichen Sinne – Schlachtfeld wirtschaftlicher und nationaler Interessen wird. Dabei enthält Japans Argumentation einen wahren Kern. Tatsächlich erholen sich einzelne Populationen von Blau-, Pott- oder Buckelwalen langsam. Das ist vor allem ein Effekt des Moratoriums. Dass ausgerechnet dessen Erfolg seine Abschaffung begründen soll, ist eine gewagte Volte.