Gleichstellung ist mit demokratischen Mitteln nicht zu erreichen. Eine einfache Frau kann nicht für die Rechte der Frauen weltweit einstehen, auch nicht mit den vereinten Kräften der Vereinten Nationen. Dafür braucht die Welt Wonder Woman. "Denkt an all die Wunder, die wir tun können", lautet die Kampagne zur fiktiven Botschafterin. In Korsage soll die Comicfigur gegen Bevormundung aufstehen, in Seidenstrümpfen gegen sexualisierte Gewalt kämpfen. Klar, eine Frau kann 2016 tragen, was sie will. Aber sollte sie nicht wenigstens echt sein?

Immerhin: Die Fiktion hat Erfahrung. Seit 1941 muss Wonder Woman sich gegen all die Supermänner behaupten. Sie ist die Umkehr der holden Jungfer, die auf einen Prinzen wartet, der sie rettet. Wonder Woman befreit sich selbst – und ihren Geliebten gleich mit. So wollte es ihr Erfinder, William Moulton Marston, der im weiblichen das bessere Geschlecht sah.

Wonder Woman verkörpert damit die Angst vieler Männer, der Feminismus wolle bloß die Umkehr der Verhältnisse. Matriarchat statt Patriarchat. Dass es im Feminismus darum geht, die Herrschaft eines Geschlechts über das andere ganz zu überwinden, war dem Zeichner und ist den meisten Feminismuskritikern fremd. Die UN meinen: Frauen, die für eine bessere Welt aufstehen, und Männer, die sie darin unterstützen, sind Superhelden auf ihre Art.

Die Botschafterin war selbst nie selbstbestimmt. Ihr Zeichner hat sie nach seinen Vorstellungen geformt, jetzt brauchen die UN sie für ihre Zwecke. Sie war nie Herrin ihrer Geschichte, geschweige denn Heroin. Wonder Woman ist emanzipiert, weil andere es von ihr verlangen.