Es hat ein bisschen länger gedauert (dreizehn Jahre). Es hat ein bisschen mehr gekostet (rund 790 Millionen Euro). Aber jetzt muss man sagen – ja, was eigentlich?

Dass es sich gelohnt hat? Dass die Elbphilharmonie alle entschädigen wird, die Bürger und die Investoren und die Kulturliebhaber sowieso, für die lange Zeit der Fehleinschätzungen und politischen Verstiegenheiten? Das wäre ein Auf- und Gegenrechnen, eine Rehabilitation dieses monströsen, phasenweise fahrlässig betriebenen Projekts im Sinne des Kalküls. Das wäre zu einfach. Und es wäre falsch.

Die Elbphilharmonie ist ein utopischer Raum, der sich in die Wirklichkeit gemogelt hat, dank architektonischer Chuzpe und planerischem Irrsinn, dank narzisstischer Gier und ästhetischem Genie. Und dass sie jetzt so dasteht mit ihrem gezackten Dach und den glänzenden Flanken, über die die Wolken huschen, als seien sie eine raffiniert eingespielte Projektion, das ist der Beweis, dass ein epochales Werk letztlich immer unberechenbar ist. Ein Ort, an dem die unvereinbaren Gegensätze auf höherer Ebene zusammenfinden und Gestalt annehmen. Der Kommerz und die Kunst. Die Investition und das Geschenk.

Mit dieser Ausgabe wollen wir genau das illustrieren: dass die Elbphilharmonie verschiedene Rollen spielt in der Stadt, dass sie ein Monument der Einzelinteressen ist, aber auch ein Glücksfall für das Gemeinwesen. Dass sie ein Ansporn sein kann für Künstler, große und kleine (die Kleinsten können in den didaktischen Abteilungen des Hauses ihr Interesse am Klang entdecken) und zugleich andere Institutionen auf ihre Plätze verweisen wird. Wo Gewinner sind, sind auch Verlierer.

Und weil Größe dieser Art immer auch die Herabsetzung im Scherz erfordert, darf der Humor nicht fehlen. Die Elbphilharmonie spiegelt die Welt, da muss die ironische Reflexion von außen kommen.

Jede der vorliegenden elf Seiten folgt also einer Idee – die Elbphilharmonie als Marketing-Scoop, als Business, als musikästhetische Herausforderung, als stadtpolitische Posse, als Modernisierungs- und Innovationsgewinner, als Spaß. Aber etwas lässt sich auf Papier nur bedingt darstellen: welches Geschenk die Elbphilharmonie der Stadt machen wird.

Dafür muss man selbst die 82 Meter lange Rolltreppe betreten, ein aufwärts strömendes Band, das auf einen unsichtbaren Horizont zusteuert. Man muss sich dort hinaufspülen lassen, 37 Meter hoch, und die Plaza betreten. Man steht auf dem Dach des früheren Kaispeichers, der Wind braust heran – in den Glaswänden, die in weit ausladenden Wellen das Forum rahmen, wurden absichtlich breite Fugen gelassen. Es soll eben kein isoliertes Areal sein, keine Shoppingmall, kein konventionelles Entree, sondern ein öffentlicher Raum. Eine Kulisse der Urbanität. Die Stadt in erhobener Form.

Und dann begreift man es. Man steht am Mündungspunkt, dort, wo Alster und Elbe ineinander übergehen. Im Süden der Hafen, die in den Himmel geritzten Kräne und Schlote, die Welt des Handels und der proletarischen Arbeit. Und im Norden die City, Villen und Chausseen, die Sphäre des Bürgertums. Beides hat man im Blick, hier die Elbe, dort die Außenalster. Man steht mitten im Strom, und zu Füßen liegt die amphibische Stadt.