Was ist schon wieder bei Audi los?

Audi, das war in der Werbung jahrelang der Inbegriff von Vorsprung durch Technik. Ein Merkmal davon: effiziente Motoren.

Wer mit diesem Image in die Welt geht, für den sind die jüngsten Enthüllungen der kalifornischen Umweltbehörde Carb, über die zuerst die Bild am Sonntag berichtete, eine ziemliche Klatsche: Demnach hat Audi über Jahre mittels einer Steuerungssoftware die CO2-Werte auf dem Prüfstand besser aussehen lassen, als sie auf den Straßen sind.

Für Audi kann das dramatische Konsequenzen haben. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem VW-Konzern weitere hohe Strafen. Nicht nur die Kfz-Steuer, die sich auch an den Emissionen orientiert, müsste in Deutschland möglicherweise nachgezahlt werden. Auch droht Ärger mit Brüssel, weil mögliche Strafen fällig werden könnten, falls gegen Grenzwerte zum Klimaschutz verstoßen wurde. Selbst das Bundesverkehrsministerium leitete über das zuständige Kraftfahrtbundesamt Ermittlungen ein.

Egal wie diese Sache ausgeht: Audis Ruf in den Vereinigten Staaten ist eh längst ruiniert. Der New Yorker Staatsanwalt Eric T. Schneiderman ist überzeugt davon, dass Audi sich vor allem durch einen Vorsprung durch Tricksen auszeichnet und die Effizienz-Erfolge mit unlauteren Mitteln zustande kamen. Schneiderman hat dabei einen gehörigen Informations- und vor allem Kommunikationsvorsprung. Er darf auf die Ermittlungsergebnisse der US-Kanzlei Jones Day zurückgreifen. Die Anwälte haben im Auftrag von VW Hunderte Interviews geführt und viele Tausend E-Mails gelesen. Über die Ergebnisse darf der Konzern selbst wegen anderer laufender Verfahren nicht sprechen. Und so kommt es, dass Audi immer wieder in den Fokus rückt und aus Wolfsburg und Ingolstadt nur ein Satz dazu kommt: Kein Kommentar.

Schneiderman, so hat er es zumindest in seiner Klageschrift zusammengefasst, sieht in Audi die Keimzelle der betrügerischen Motorenentwicklung. Und eine Kaderschmiede, deren Absolventen etwas mehr gewusst haben könnten, als sie heute zugeben. Dazu zählen der frühere Audi-Chef Martin Winterkorn (der später an die Spitze des Volkswagen-Konzerns aufstieg), aber auch andere Audianer, die es zu Spitzenpositionen im Konzern gebracht hatten. In diesen Wochen steht vor allem der aktuelle Audi-Chef Rupert Stadler in der Schusslinie. Anders als die Kollegen von VW mit ihren kleinen Dieselmotoren hat er sich mit den US-Behörden noch nicht auf einen Deal für die von Audi gelieferten großen Motoren einigen können. Und angeblich soll er sehr früh von Manipulationen gewusst haben.

Und da ist man schon bei einer Kernfrage des Dieselskandals. Wenn jede Woche neue Details ans Licht kommen, wenn die Vergangenheit den Chef Woche um Woche einholt, wie lange kann er auf seinem Posten bleiben?

980 Millionen Euro hat Audi derzeit für die Lösung der "Dieselthematik" zurückgelegt. Wenn die Vorwürfe aus den USA stimmen, wird das kaum reichen. Und Stadler kaum mehr zu halten sein. Ein Audi-Sprecher sagt dazu: "Wir können uns zu den Vorwürfen inhaltlich nicht äußern, stehen aber in engem Kontakt mit den US-Behörden."

von Claas Tatje