"Fertig", stand leuchtend an der Fassade der Elbphilharmonie. Endlich fertig! Als am Wochenende die Plaza zwischen dem historischen Backstein und dem gläsernen Aufbau das erste Mal für Publikum geöffnet wurde, erinnerte das aber eher an die Szene der Restauranteröffnung in dem Film Playtime von Jacques Tati: Während die Bauarbeiter noch die Bodenplatten auf der Tanzfläche verlegen, stürmen die Gäste schon das Lokal.

Insgesamt 12.309 Mängel wurden bei der Übergabe des Gebäudes Ende Oktober verzeichnet, die müssen jetzt behoben werden. Und so fällt auch an den ersten Tagen nach der Eröffnung immer mal wieder die Rolltreppe aus, man sieht orientierungslose Besucher, die wissen wollen, warum sie nicht mit dem Fahrstuhl vom Parkhaus auf die Plaza fahren können, dazwischen achselzuckende Männer, die arbeiten. Es war nicht zuletzt auch ein Wochenende der heiteren Begegnung zwischen Handwerkern und Steuerzahlern.

Wer die Plaza besuchen will, muss sich unten anstellen und warten, bis er eingelassen wird. Das ist kostenlos. Wer die Schlange vermeiden möchte, bucht auf der Internetseite oder im Besucher-Shop der Elbphilharmonie ein Ticket, das ihm in einem festgelegten Zeitfenster den Zutritt zur Plaza gewährt. Das kostet zwei Euro Bearbeitungsgebühr. Um reinzukommen, muss man den Strichcode auf dem Ticket unter ein grünes Licht halten, dann macht’s "piep", das Drehkreuz gibt nach. Drinnen!

Es folgt die bereits allerorten als spektakulär gelobte, nach oben hin flacher werdende Rolltreppe, "Tube" genannt. Nicht wenige Besucher zücken das Smartphone und filmen die gesamte 82 Meter lange Fahrt durch den Schlauch.

Aber warum kleben hier diese handtellergroßen Plexiglas-Punkte im weißen Rauputz? Fun-Design wie aus dem Baumarkt-Katalog. Am oberen Ende der Rolltreppe braucht man das Smartphone gar nicht abzusetzen, denn nun steht man vor einer imposanten Panoramascheibe, unten die Elbe mit den beiden Musicalhäusern, König der Löwen und Wunder von Bern. Die Stadt wie im Aquarium.

Auf der Plaza angekommen, drängt es die Besucher weiter hinauf, die hellen, schneckenförmig nach oben verlaufenden Holzstufen in Richtung des Großen Saals, doch an einer Glastür ist Schluss. Der Blick in den Konzertsaal bleibt vorerst Auserwählten vorbehalten. Auch der Kleine Saal ist nicht zu besichtigen. An seiner Holztür klebt ein Zettel: "Unbefugten ist der Zutritt strengstens verboten!" Sollte der nicht schon früher in Betrieb genommen werden? Sollte er, weiß ein Musiker zu berichten, der zu einem Ensemble gehört, das hier am Eröffnungswochenende spielen sollte. Aber dann habe es "akustische Probleme" gegeben, "Interferenzen". Es müsse nachgearbeitet werden.

Der Ausblick ist sehenswert. Im zugigen Außenbereich liegt einem die Stadt zu Füßen. Im Westen die Elbe, St. Pauli und Altona. Im Süden der Hafen mit seinen rauchenden Schloten, im Osten die Investoren-Solitäre der HafenCity – und im Norden, nun ja, da blicken die Besucher vor allem auf die Kehrwiederspitze, erbaut in den Neunzigern und schon damals in der Presse als "Bürokonglomerat von armseliger Architektur" und als "stumpfer Hobel" verrissen. "Meine Damen und Herren, das brauchen Sie nicht zu knipsen, hier handelt es sich um misslungene Bauwerke", möchte man den Elphi-Touristen zurufen.

Fotografiert wird dennoch, mit und ohne Selfie-Stick, mit Tablet oder Spiegelreflex. Schon jetzt dürfte die Elbphilharmonie zu den meistabgelichteten Gebäuden der Stadt gehören.