Im Europäischen Parlament sind die Abgeordneten offenbar sehr besorgt um den Ruf der EU-Kommission. Denn in der jüngeren Vergangenheit ist eine Reihe von Kommissaren allzu schnell in die Privatwirtschaft gewechselt: José Manuel Barroso zu Goldman Sachs, Neelie Kroes zu Uber, Karel De Gucht zu ArcelorMittal und so weiter. In einigen Fällen bekommen die Altkommissare dazu noch üppiges Übergangsgeld aus EU-Kassen (ZEIT Nr. 46/16). Dabei soll gerade dieses Geld die einstigen Kommissare vom allzu abrupten und schnellen Wechsel vom politischen Amt in die Wirtschaft abhalten.

Nun endlich setzt das Parlament ein Zeichen. Die Abgeordneten haben vor einigen Tagen beschlossen, für 2017 ein Fünftel des Haushaltspostens einzufrieren, aus dem die EU-Kommission die Übergangsgelder für frühere Amtsträger bezahlt. Erst wenn die Kommission ihren Verhaltenskodex für Seitenwechsler verschärfe, so drohen die Abgeordneten, gäben sie das Geld frei.

Nur mit sich selbst sind sie etwas großzügiger.

Zunächst einmal ein paar Zahlen. Laut einer Untersuchung von Transparency International haben 179 der 751 EU-Abgeordneten wenigstens eine bezahlte Nebentätigkeit. Mindestens zehn Parlamentarier erwirtschaften daraus nach eigenen Angaben Zweiteinkünfte von mehr als 10.000 Euro im Monat – zusätzlich zu ihrer Diät von 8.213 Euro.

Zu den Topverdienern zählt Guy Verhofstadt, der mächtige Fraktionschef der Liberalen. Belgiens früherer Premierminister stellt sich gern als Radikalreformer der EU dar. Nach Recherchen der ZEIT verdient Verhofstadt in seinem Zweitjob als Aufsichtsratsmitglied der belgischen Investmentgesellschaft Sofina fast 143.000 Euro im Jahr. Verhofstadt lehnte ein Gespräch über Nebentätigkeiten ab. Frankreichs ehemalige Justizministerin Rachida Dati, seit 2009 im Parlament, verdiente allein von 2010 bis 2013 nebenbei als Anwältin insgesamt 2,073 Millionen Euro dazu.

Solche Summen sind Munition für die Populisten in ihrem anti-europäischen Feldzug.

Die Parlamentarier machen es ihnen leicht, ihre Regeln sind lax.