Wie reagiert die Welt auf den neuen Präsidenten der Weltmacht? In Deutschland klangen die ersten Reaktionen von Politikern ebenso gefasst wie hilflos. "Jetzt hilft kein Lamentieren", sagte der Oberbürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz (SPD), "jetzt müssen wir alle dazu beitragen, dass auch nach dieser Wahl Europa und die USA nicht weiter auseinanderdriften." Das westliche Bündnis sei zu wichtig, um es für kurzfristige politische Interessen aufs Spiel zu setzen. Aber tut Donald Trump nicht genau dies? Die Frage, welche Folgen eine Aufweichung der transatlantischen Allianz hat, vor allem für den Wagemut Wladimir Putins, müssen Deutschland und Europa spätestens jetzt ganz unmelancholisch diskutieren. Von einem "schweren Schock" spricht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Geschockt ist auch die arabische Welt. Die Bürger der dortigen Staaten sind zwar einiges gewohnt, wenn es darum geht, Demokratie und Wahlen zu desavouieren. Aber der US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 hat selbst den hartgesottenen Nahen Osten angewidert. Donald Trump hätte sich hier mit neun Prozent der Stimmen begnügen müssen, ergab eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der saudischen Zeitung Arab News, die in 18 Staaten der Region durchgeführt wurde. Kein Wunder, möchte man meinen, schließlich hat der Republikaner eine beispiellose anti-arabische und islamophobe Kampagne geführt. Den Muslimen weltweit unterstellte er, die Terroranschläge vom 11. September 2001 gefeiert zu haben. Muslime in den USA wollte er lückenlos und ohne richterliche Anordnung überwachen lassen, die Einreise von Muslimen bis auf Weiteres gleich ganz stoppen.

Freuen dürfte sich hingegen Syriens Diktator Baschar al-Assad. Von einem US-Präsidenten Donald Trump erhofft er sich das Ende jeglicher US-Unterstützung für syrische Rebellen. Hillary Clinton hingegen hatte im Wahlkampf angekündigt, in Syrien eine Flugverbotszone zum Schutz von Zivilisten und als Druckmittel gegen das Regime durchsetzen zu wollen, also zu einer interventionistischeren Politik zurückzukehren.

Genau deswegen, schreibt der iranisch-britische Sicherheitsexperte Mahan Abedin, sieht auch die Regierung des Irans lieber den "Isolationisten" Trump als die "Falkin" Clinton im Weißen Haus. Auf der anderen Seite des Persischen Golfs, in Saudi-Arabien, ist die Stimmung ambivalent. "Alles ist besser als Obama" – so lautete die saudische Devise vor den Wahlen in den USA. In Riad hat man Barack Obama nie verziehen, dass er mit dem Nuklearabkommen dem iranischen Erzrivalen aus der internationalen Isolation geholfen hat.

Und wie geht es für Donald Trump in der arabischen Welt weiter? Er könnte immerhin darauf verweisen, dass er sich auch schon positiv über den Islam und die Araber geäußert hat. 2008 pries Trump in seiner Radiosendung Trumped die Scharia in Saudi-Arabien, die es Männern erlaubt, ohne Angabe von Gründen ihre Ehe aufzulösen. "Klingt nach einem sehr guten Land, um sich scheiden zu lassen! Ich bin Donald Trump – und das ist der wahre Deal!"

Für Japan und Südkorea, langjährige Alliierte der Vereinigten Staaten, bedeutet die Wahl von Donald Trump einen schweren Schock. Er hat während seiner Kampagne die US-Verbündeten in Ostasien wiederholt als strategische Schnorrer attackiert, die sich auf amerikanische Kosten vom US-Militär verteidigen ließen. Er verlangte, dass sie in Zukunft mehr zahlen sollten, wenn sie weiterhin beschützt werden wollten. Im Übrigen sei es vielleicht besser, wenn Tokio und Seoul sich selbst Atomwaffen zulegten und damit die Abschreckung möglicher Gegner selbst übernehmen würden. "Trumps Mangel an diplomatischem Sinn hat die Koreaner ins Herz getroffen, auch die konservativen", sagt der südkoreanische Politikwissenschaftler Choi Lyong. Trump ignorierte offenkundig den Beitrag von Korea und Japan zur amerikanischen Strategie in der asiatisch-pazifischen Region, die doch – jedenfalls bisher – darin bestehe, die Macht Chinas auszubalancieren.

In Südamerika hingegen kommt Trump bei vielen Bürgern gut an. Die spaltende Wirkung selbstverliebter Populisten und ihrer überzogenen Rhetorik gehört dort in vielen Ländern zum Alltag. In Brasilien finden seit einigen Jahren ultra-rechte Volksverführer Gehör, die ganz im machistischen Trump-Stil auftreten, die gegen Minderheiten und alternative Lebensformen wettern, die Nationalstolz und Protektionismus predigen, die ihre politischen Gegner kriminalisieren und ihnen Gefängnis androhen.

Etablierter in der politischen Kultur des Kontinents sind allerdings die Populisten von links. Hugo Chávez etwa, der 2013 verstorbene Präsident Venezuelas, wird vielfach als ein Vorbild Trumps angesehen. Er pflegte eine Mischung aus Personenkult, Hetze und Gewalt gegen Andersdenkende sowie offenkundig unrealistischen Versprechungen.

Daher blickt man dort im Grunde gelassen auf Trump. Dennoch: Eine gewisse Nervosität bleibt auf dem Kontinent, weil etliche Länder sich zuletzt von linken Regierungen und ihrem Antiamerikanismus abgewendet hatten – auch in der Handelspolitik. Die neue konservativ-wirtschaftsliberale Regierung in Brasilien beispielsweise strebt ausdrücklich an, mehr Geschäfte mit den USA zu machen. Ein protektionistischer oder schlicht an internationalen Fragen uninteressierter Präsident Trump könnte all diese Annäherungen gefährden.

Die Linke Lateinamerikas hingegen weiß schon genau, wie sie mit Trump verfahren soll. "Trump wäre besser für Lateinamerika", hatte einige Tage vor der Wahl der Präsident von Ecuador erklärt, der Linkspopulist Rafael Correa. Für die USA sei Hillary besser, er persönlich wünsche sich ihren Wahlsieg sogar, aber die spaltende Rhetorik des neuen Präsidenten sei für seine eigene politische Bewegung ein Geschenk. "Wann sind progressive Regierungen in Lateinamerika an die Macht gekommen?", fragte er rhetorisch. "Unter Obama oder unter Bush? Bushs primitive Politik wurde so stark abgelehnt, dass es sich politisch bis nach Lateinamerika auswirkte."