Inzwischen würden sie beim Conne Island am liebsten gar nicht mehr reden. Zu viel Trubel in den vergangenen Wochen, zu viele Journalisten, zu viel Aufmerksamkeit. Schwer zu sagen, ob das Conne Island, dieser linke Szeneclub im Leipziger Süden, Wohnzimmer der Antifa im alternativen Stadtteil Connewitz – schwer zu sagen, ob der Club damit gerechnet hat, solchen Trubel auszulösen. Und die Blicke der gesamten Republik auf sich zu ziehen.

Die Geschichte des Conne Island in den vergangenen Monaten ist die Geschichte eines linken Clubs, der auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsstroms entschied, ein offenes Haus für alle Fremden sein zu wollen – und jeden Flüchtling zum symbolischen Preis von 50 Cent einzulassen. Der aber im Lauf der Monate realisiert hat: Mit den Flüchtlingen, die zu uns feiern kommen – mit ihnen kommen auch Probleme.

Es geht letztlich um die Frage, ob die Willkommenskultur, wie sie das Conne Island seit Beginn der Flüchtlingskrise zelebriert hat, naiv war. Es geht auch um die Frage, ob es ein Zeichen von Schwäche für einen linken Club ist, einzugestehen: So leicht, wie man sich das vorgestellt hatte mit der Integration, ist es nicht. Oder ob es nicht doch eher ein Zeichen von Stärke ist, so etwas zu thematisieren.

Die Aufregung begann im Oktober. Da nämlich stellte das Conne Island eine Erklärung auf seine Website. Darin stand: Man habe als linker Club nicht zurückstehen wollen, als Deutschland im Spätsommer 2015 die Flüchtlinge begrüßte. "Gemeinsam zu feiern und im Zuge dessen wie von selbst eine Integration junger Geflüchteter im Conne Island zu erreichen, stellte sich als recht naiver Plan heraus." Und weiter: "Die stark autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation in einigen Herkunftsländern Geflüchteter und die Freizügigkeit der westlichen (Feier-)Kultur bilden auch bei uns mitunter eine explosive Mischung." Es seien, so steht es weiterhin auf der Homepage, sexistische Anmachen und körperliche Übergriffe, aber auch Diebstahl und schlicht aggressive verbale Auseinandersetzungen im Conne Island ein immer größeres Problem geworden, seit es den "Refugee-Fuffziger", den ermäßigten Eintritt für die Flüchtlinge, gibt. Die Situation sei derart angespannt, "dass ein verbales Umschiffen des Sachverhalts nicht mehr zweckdienlich scheint".

Den reduzierten Eintritt für Geflüchtete führte das Conne Island im Spätsommer vorigen Jahres ein. Schon früher hatte es hier viele Gäste mit Migrationshintergrund gegeben. Probleme aber nie. Der "Refugee-Fuffziger" schien eine gute Idee. Flüchtlinge partizipieren zu lassen, zu helfen, ein Zeichen auch gegen Legida und Pegida zu setzen.

Im Lauf der Monate aber, so schildern es die Leute aus dem Conne Island, veränderte sich etwas: Plötzlich häuften sich sexuelle Übergriffe. Mehrfach musste man die Polizei rufen – für einen Club, der sich der Antifa zurechnet, ein Politikum. Nach unzähligen internen Debatten entschloss sich der Club, seine Nöte transparent, öffentlich zu diskutieren: Das Conne Island hat ein Problem mit kriminellen Flüchtlingen. Das Eingeständnis tat weh: Denn offen für alle, das will das Conne Island weiterhin sein.

Die Erklärung schaffte es in die Bild und in die Welt und in die taz. Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreitete den Text des Clubs bei Facebook, die AfD-Politikerin Beatrix von Storch tat das Gleiche auf Twitter und schrieb: "Hier die offizielle Kapitulationserklärung eines linksgrünversifften Refugees-Welcome-Jugendzentrums in Leipzig ..."

Hat man mit der Erklärung den Rechten in die Karten gespielt? Das ist die Frage, die sie jetzt im Conne Island – und in der linken Szene überhaupt – diskutieren. Wer sich im Club umhört, erfährt, dass die Debatte, die man auslösen wollte, keine Debatte über Flüchtlinge ist. Sondern über die linke Szene. Eine Debatte, ob man sich – aus Angst vor Populisten – auf die Zunge beißen sollte, wenn es Probleme mit Flüchtlingen gibt. Oder ob man nicht das Geschäft der Populisten betreibt, wenn man Probleme verschweigt, die nun einmal da sind. Das Conne Island hat sich für Transparenz entschieden. Viele hier finden es hart, jetzt zu erleben, wie von allen Seiten auf das Jugendzentrum eingedroschen wird. Endlich haben es die Gutmenschen kapiert, sagen die Rechten. Sie haben sich von unseren Werten verabschiedet, sagen die Linken.