Nachhaltig anlegen

Wie man besser leben könnte, da sind sich die Menschen in Deutschland erstaunlich einig: grüner nämlich. Vom Landleben träumen drei von vier Bundesbürgern, und fast neun von zehn sagen laut Umfragen des Marktforschers GfK, sie versuchten, nachhaltiger zu leben: Sie trennen Müll, sparen Energie und kaufen bewusster ein. Nur beim Geldanlegen fällt es ihnen schwer, so zu handeln. Der GfK zufolge wüssten 60 Prozent der Anleger gerne genauer, wem Banken und Finanzkonzerne das Geld leihen, das sie ihnen anvertrauen, und würden lieber solche Firmen damit unterstützen, die nachhaltiger wirtschaften. Jeder Dritte interessiert sich fürs Investieren nach ökologischen und sozialen Kriterien. Die größte Hürde: mangelndes Wissen darüber, wie man im Dickicht der grünen Geldanlagen nützliche Gewächse von Unkraut unterscheidet. Doch mit dem richtigen Plan für die Grünanlage lassen sich Ertrag und gutes Gewissen verbinden.

1. Lektion: Den Standort markieren

Wer grün anlegen will, muss sich zuerst einmal fragen: Wie viel Platz will ich grünen Investments überhaupt einräumen? Genügen ein paar Wasser- oder Windkraft-Fonds als Beimischung im Depot, dann kann jede Bank weiterhelfen. Will man sein Geld aber komplett ökologisch verwalten, sollte man mit Konto und Depot zu einer jener Banken wechseln, die nach strengen ökologischen, sozialen und ethischen Standards arbeiten. Entscheidend ist also zunächst einmal die eigene Einstellung.

Das gilt auch für die Auswahl einzelner Produkte. Manche Anleger wollen ausschließlich in ökologische Projekte investieren, also etwa Anlagen, die erneuerbare Energien erzeugen. Andere unterstützen auch soziale Projekte wie Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen. Wieder andere sagen, man dürfe auch ganz normale Firmen finanzieren, solange sie sich um die Umwelt verdient machen, etwa indem sie Naturkosmetik oder Elektroautos herstellen – Hauptsache, es sind keine Waffenhersteller, Öl- oder Atomkonzerne dabei. Manche möchten auch Unternehmen ausschließen, die mit Gentechnik, Glücksspiel oder Pornografie ihr Geld verdienen. Und wer den Begriff der Nachhaltigkeit noch weiter auslegt, der kann sogar damit leben, sich an Ölförderern zu beteiligen oder an Stromkonzernen mit Atomkraftwerken, solange es sich dabei um die vorbildlichsten Unternehmer der jeweiligen Branche handelt. Das ist der sogenannte "Best in Class"-Ansatz.

Je strenger die eigenen Kriterien, desto weniger Banken, Aktien und Fonds kommen infrage – das erschwert die Streuung und erhöht das Risiko. Zumal in der Vergangenheit viele Öko-Investments ihre Versprechen nicht halten konnten: So manche Solarfirma, Biogasfabrik oder Windkraftanlage ging pleite. Steckt man also einen großen Teil seines Kapitals in einen Solitär, kann das Ergebnis katastrophal sein. Will man dagegen sein Geld möglichst breit streuen, muss man Zugeständnisse bei der Auswahl machen – dafür ist mehr Verlass darauf, dass aus den Pflanzen ein blühender Garten wird.

2. Lektion: Den Untergrund bearbeiten

Entscheidet man sich für eine enge Auslegung von Nachhaltigkeit, dann müssen Konto und Depot zu einer Ökobank. Etwa zur GLS Gemeinschaftsbank, die als Universalbank sowohl Girokonto als auch Sparkonten, Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukte sowie Kredite anbietet. Sie ist eine Genossenschaft und vergibt das Geld der Sparer in Form von Krediten an ökologische und soziale Projekte wie Erzeuger erneuerbarer Energie oder Senioreneinrichtungen. Auch bei der Triodos-Bank kann man ein Girokonto eröffnen und das gesamte Programm an Sparanlagen kaufen, bekommt als Privatkunde aber keinen Kredit. Bei der Ökobank, einer Umweltbank aus Nürnberg, bekommt man wiederum kein Girokonto, dafür Tagesgeldkonten und Sparprodukte. Daneben gibt es noch einige ethische und kirchliche Banken wie Liga Bank, Pax-Bank, Steyler Bank und Ethikbank.

Ökobanken verlangen meist Kontoführungsgebühren, wenn auch nur 24 bis 42 Euro jährlich, und zahlen winzige Spar- und Tagesgeldzinsen von 0,1 bis 0,3 Prozent – wenn überhaupt. Im Gegenzug sind ihre Dispozinsen fair und niedrig. Vor allem aber verzichten sie auf zweifelhafte Geschäfte, wie sie bei großen Filialbanken üblich sind. Die nämlich, so legt eine Studie des Menschenrechtsvereins Facing Finance nahe, haben in jüngster Zeit reichlich Kredite an Waffenhersteller vergeben. Auf Umwegen kann das Geld auch von Kunden von Ökobanken kommen – dann nämlich, wenn diese auch Fonds von den Tochterfirmen deutscher Großbanken verkaufen. Gewissenhafte Kunden sollten darauf achten oder bei den hauseigenen Produkten der Ökobanken bleiben.

Voraussetzung für grüne Wertpapiere ist ein Depot. Am günstigsten sind Depots bei herkömmlichen Direktbanken oder Brokerplattformen, also etwa ING-DiBa, DAB Bank, Onvista bank oder flatex. Manche Ökobanken führen das Depot zwar kostenlos, wie Triodos – dafür verkaufen die Niederländer aber auch nur eigene Fonds. Andere Banken verlangen Jahrespauschalen für die Depotverwaltung von bis zu 55 Euro, wieder andere berechnen die Gebühren nach dem Depotinhalt. Bei der Umweltbank etwa kostet es 12,50 Euro pro Jahr, wenn Papiere für 10.000 Euro im Depot liegen. Teuer sind bei einigen auch einzelne Wertpapierkäufe, die Gebühren liegen zwischen 5 und 30 Euro für einen Kauf von Fondsanteilen im Wert von 2.000 Euro. Über zehn Jahre können die Unterschiede also mehrere Hundert Euro ausmachen, deswegen sollte man gleich am Anfang vergleichen.

3. Lektion: Das passende Gewächs finden

Die Vielfalt grüner Geldanlagen ist hierzulande so groß wie die Auswahl in einer Gärtnerei: In 403 grünen Publikumsfonds stecken 44 Milliarden Euro von Privatanlegern. Am einfachsten ist es, sich einen der 18 gängigen grünen Indexfonds (ETFs) zu kaufen – das ist sozusagen der Rollrasen, mit dem man große Flächen begrünen kann. Mit diesen Indexfonds geht man weniger große Risiken ein als beim Kauf einzelner Aktien und muss weniger Gebühren zahlen als beim Kauf herkömmlicher Fonds. Denn bei ETFs bezahlt man keinen Fondsmanager, sondern kauft ein Paket mit Aktien sämtlicher Firmen, die namhafte Börsen besonders ethisch korrekt und umweltbewusst finden. ETFs auf solche Börsenindizes sind etwa der iShares Dow Jones Global Sustainability Screened oder UBS MSCI World Socially Responsible. Damit werden die Erträge nicht gleich in die Höhe schießen, schließlich bilden ETFs nur den Marktdurchschnitt ab. Aber mit der Zeit kann aus dem Rasen eine Blumenwiese werden: Der grüne Dow Jones wuchs in den vergangenen zwei Jahren um 12 Prozent, der Öko-MSCI in drei Jahren um 34 Prozent.

Wie streng soll der Fonds sein? Das muss jeder selbst entscheiden

Auch breit aufgestellte Ökofonds eignen sich für alle, die ein begrenztes Risiko suchen und nicht die maximal mögliche Rendite. Man sollte sie aber von spezialisierten Fondsgesellschaften kaufen, etwa von Ökoworld, dessen Klassikerprodukt heißt Ökoworld Ökovision. Strenge Ökofonds wählen nur Firmen aus, die mit umweltfreundlichen Produkten ihr Geld verdienen und hohe Öko- und Sozialstandards einhalten – bei Ökoworld etwa entscheidet ein mehrköpfiger Anlageausschuss über die Auswahl. Ähnlich geht der Schweizer Anbieter Swisscanto vor.

Andere Fonds legen weniger strenge Maßstäbe an, etwa der Fonds Sustainable Equity von der Schweizer Bank Sarasin, in dem auch Papiere von internationalen Großunternehmen stecken, die nicht explizit nachhaltige Produkte herstellen, sich aber über die Standards hinaus für die Umwelt einsetzen – also etwa die Deutsche Telekom und die Pharmagiganten Roche und Sanofi. Wie öko man das findet, muss jeder selber entscheiden.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Fonds, die Worte wie "öko", "nachhaltig" oder "New Energy" im Namen tragen. Mitunter legen sie den Nachhaltigkeitsbegriff sehr weit aus, etwa der UniNachhaltig Aktien Global von Union Investment, in dem sich auch Aktien von adidas, dem Ölkonzern Statoil, von Intel und Accenture finden.

Wer mehr Zeit für die Pflege des Depots aufwenden kann, kann auch einzelne Aktien, Themenfonds oder Zertifikate in sein Depot mischen. Sie können zwar höhere Kurssteigerungen bringen als ein Fonds mit vielen verschiedenen Anteilen, aber eben auch stärkere Ausschläge nach unten. Besondere Vorsicht ist bei direkten Beteiligungen an Ökounternehmen über Genussscheine oder geschlossene Fonds geboten. Sie versprechen oft hohe Renditen, sind aber teuer und enden mitunter mit einem Totalverlust.

4. Lektion: Auf die Herkunft achten

Es gibt eine Vielzahl von Experten, die grüne Geldanlagen regelmäßig begutachten, etwa im Hinblick auf das Verlustrisiko oder darauf, welche Erträge sie in der Vergangenheit abgeworfen haben. Sie vergeben auch Siegel für geprüfte Nachhaltigkeitsfonds, etwa das FNG-Siegel vom Forum nachhaltige Geldanlage. Es ist in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Business Institute (SBI) entstanden, auf eine Initiative des Bundesfinanzministeriums hin, und setzt im deutschsprachigen Bereich die Vorgaben des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlage um. Mit den Siegeln ist es wie bei den Biosiegeln auf Lebensmitteln: Man kann damit sicher sein, dass die Produkte ökologische Kriterien erfüllen – beim FNG sind es eine ganze Reihe von Mindeststandards. Dass die Produkte am Ende die gewünschte Rendite bringen, das garantieren sie nicht.

5. Lektion: Hegen und pflegen

Allerdings schneiden die grünen Geldanlagen auch nicht per se schlechter ab als herkömmliche Produkte. Das belegt eine Vielzahl von Studien von Unternehmen wie Mercer, Deutsche Bank, Allianz Global Investors und von Hochschulen. Im Gegenteil: Es zeigte sich häufig, dass nachhaltige Unternehmen im Wettbewerb besser aufgestellt waren, weniger riskant agierten und sich an der Börse besser entwickelten. Im Schnitt, das zeigen Auswertungen der Deutschen Gesellschaft für Performancemessung und von Fondsgesellschaften, wachsen die Gewinne von Grünanlegern mit breit aufgestellten Fonds etwa 1,5 Prozentpunkte schneller als die klassischer Anleger. Zum Beispiel der Natur Aktien Index (NAI), der in den vergangenen zehn Jahren auf eine Rendite von 8,1 Prozent jährlich kam. Der Dax schaffte nur 7,3 Prozent. Seit 1997 wuchs der NAI sogar um sagenhafte 756 Prozent, 34 Prozent pro Jahr, der Dax nur um 12 Prozent jährlich. Höchste Zeit also, ein Klischee auf den Kompost zu werfen: den Gedanken, dass Anleger für die gute Geldanlage auf einen Teil ihrer Rendite verzichten müssen.