DIE ZEIT: Frau Buch, wenn Sie Geld übrig hätten: Würden Sie sich ein Haus oder eine Wohnung in einer deutschen Großstadt kaufen?

Claudia Buch: Ich wohne in einer Eigentumswohnung, also: kein Bedarf.

ZEIT: Dann formulieren wir die Frage etwas anders: Würden Sie Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin raten, eine Immobilie zu kaufen?

Buch: Das hängt vom Einkommen, vom vorhandenen Vermögen, von den Lebensumständen ab. Eine solche Entscheidung muss langfristig sinnvoll sein. Denn in einigen Lagen haben wir in den vergangenen Jahren sehr starke Preisanstiege gesehen, und man sollte vorsichtig sein, diese einfach so in die Zukunft fortzuschreiben.

ZEIT: Sind die Preise schon zu stark gestiegen?

Buch: Es gibt große regionale Unterschiede. Nach unseren Berechnungen haben wir es in einigen Metropolen mit Überbewertungen in der Größenordnung von 10 bis 20 Prozent zu tun.

ZEIT: Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Buch: Durch Modellrechnungen. Wir sehen uns an, wie sich die Einkommen, die Bevölkerung oder das Zinsniveau entwickeln, und wir leiten daraus ein Preisniveau ab, das sich durch solche Daten rechtfertigen lässt. Wenn es eine starke Nachfrage nach Wohnraum in den Städten gibt und das Zinsniveau niedrig ist, dann sind höhere Preise eine normale Marktreaktion. Wir sprechen erst von einer Überbewertung, wenn der Preisanstieg darüber hinausgeht.

ZEIT: Und in diesem Fall gilt: Irgendwann sollten die Preise wieder fallen?

Buch: Zumindest sollte man diese Möglichkeit bei einer Entscheidung für oder gegen den Kauf einer Immobilie berücksichtigen. Deshalb ist es wichtig, wie eine Immobilie finanziert ist. Wenn der Anteil an Eigenkapital hoch ist, dann können mögliche Wertverluste abgefedert werden. Die Gefahr, dass es zu Ansteckungseffekten im Finanzsystem kommt, ist dann geringer.