Der Mann, der die große Klimaschutz-Party gesprengt hat, ist 6.000 Kilometer Luftlinie weit weg. Und doch ist er überall präsent auf dem Weltklimagipfel von Marrakesch. Auf den palmengesäumten Gängen zwischen den weißen Messezelten, im monströsen Plenarsaal oder in den nach Safran und Kardamom duftenden Restaurants: Überall drehen sich die Gespräche um ihn. Tausendfach fällt sein Name, kombiniert mit Sätzen in allen erdenklichen Sprachen: Donald Trump.

Rund 15.000 Menschen aus fast 200 Nationen versammelten sich seit Anfang vergangener Woche in der marokkanischen Königsstadt: Minister, Diplomaten, Wissenschaftler, Lobbyisten, Umweltaktivisten und Wirtschaftslenker. Sie sind zusammengekommen, um das erste globale Klimaschutzabkommen zu konkretisieren, das sie vor einem Jahr in Paris vereinbart haben. Sie wollten Leben in das abstrakte Vertragswerk bringen, entscheiden, wie man die Worte in Taten übersetzt. Und natürlich wollten die Delegierten ihr historisches Werk gemeinsam feiern, das gerade erst am 4. November in Kraft trat.

Aber dann wählte Amerika. Am Morgen danach standen Delegierte wie paralysiert im Tagungszentrum herum, berichten Teilnehmer, manche weinten. "Das ist ein schweres Erdbeben", sagt ein Diplomat. Fast alle hier hatten den Sieg von Hillary Clinton erwartet. Trump ist der Albtraum der Klimaschützer.

Was hat dieser Mensch nicht alles für Ungeheuerlichkeiten herausgelassen über den Klimawandel – so bewerten das zumindest die Teilnehmer der Konferenz. Ein "Schwindel" sei das Gerede von der angeblichen globalen Erwärmung, befand Trump. "Pseudowissenschaft", "erfunden von und für die Chinesen", um Amerikas Industrie ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu berauben. Im Wahlkampf hat sich Trump zum Kumpel der Kohleindustrie erklärt. Und in seinem 100-Tage-Programm für die Machtübernahme hat er gelobt: Schluss mit dem Paris-Abkommen! Am späten Dienstag, kurz vor Redaktionsschluss, kamen in Marrakesch Gerüchte auf, Trump könnte in Kürze den Austritt der USA ankündigen.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang haben die Vertreter der Nationen um ein globales Klimaabkommen gerungen. Wieder und wieder scheiterten sie, während die Menschheit immer mehr Treibhausgase in die Luft blies und sich die Atmosphäre immer weiter aufheizte. Dann, endlich, schafften die Diplomaten in Paris den Durchbruch: vielleicht gerade noch rechtzeitig, um die Erwärmung auf ein halbwegs erträgliches Maß zu begrenzen. So zumindest bewerten es die meisten Wissenschaftler.

Und nun das. Wie viel ist ein Klimaabkommen ohne die USA wert? Diese Frage treibt alle um auf diesem Gipfel. Die anfängliche Hysterie ist mittlerweile einer vorsichtigen Zuversicht gewichen. Denn die befürchtete Kettenreaktion ist bislang ausgeblieben. Dank China, dem größten CO₂-Emittenten der Welt – und neuen Hoffnungsträger der internationalen Klimadiplomatie.

Pekings Vertreter haben klargestellt: Sie scheren nicht aus. "Egal, was in der US-Regierung geschieht: China wird weiter konstruktiv an den internationalen Klimaverhandlungen teilhaben", hat Chen Zhihua versichert, der ranghöchste Vertreter der Volksrepublik in Marrakesch. "Es ist der Wille der globalen Gesellschaft, dass alle miteinander kooperieren, um den Klimawandel zu bekämpfen." Chinas Wandel hin zu einer grüneren Wirtschaft stehe nicht infrage.