Achtung, Déjà-vu! Menschen in weißen Schutzanzügen, Absperrband vor Hühnerhöfen und das hässliche Wort "Keulung". Das steht uns in diesem Winter bevor, denn die Vogelgrippe ist wieder da. Dem agrarfernen Städter dräuen nur martialische Bilder in der Tagesschau, mancher Geflügelzüchter aber fürchtet um seinen Betrieb. In Schleswig-Holstein wurden die ersten 30.000 Hühner getötet (in der Veterinärsprache: "gekeult"), das Bundesagrarministerium hat einen zentralen Krisenstab eingerichtet, in immer mehr Gebieten herrscht die Stallpflicht ...

Das ruft Erinnerungen an den Winter 2006 wach, als das Vogelgrippevirus H5N1 in Deutschland grassierte. Dabei geschieht hier etwas ganz Natürliches, ja Normales: Zugvögel bringen den Erreger (diesmal heißt er H5N8) aus Asien nach Europa, stecken lokale Populationen an – und manchmal eben auch Nutztiere. Der Erreger selbst ist in asiatischen Beständen heimisch. Seine Varianten sind Produkte von Rekombination und Selektion, nichts anderes als erfolgreiche Evolution. Dieselbe Triebkraft, die in allem Leben steckt, bringt uns die Bilder toter Wildenten und Haubentaucher. Das ist Natur.

Was wir mit drastischen Mitteln (Keulung, Sperrung, Transportverbot) zu schützen suchen, ist das Künstliche: die Konzentration vieler Nutztiere auf engem Raum. In Deutschland werden jährlich mehr als 600 Millionen Hühner, nun ja, produziert.

Die staatliche Seuchenhygiene gilt ihnen, nicht uns. Denn anders als H5N1 vor zehn Jahren gilt H5N8 für den Menschen als nicht ansteckend und ungefährlich. Jedenfalls solange der Mensch kein Züchter oder Mäster ist.