Wer möchte nicht, dass etwas vom ihm bleibt? Manch hochrangiger Ägypter hat es erst mit einer Pyramide hinbekommen, dass die Nachwelt noch Jahrtausende später von ihm Notiz nimmt. Ludwig II. ließ Schloss Neuschwanstein ins bayerische Gebirge stellen. Herman Melville schrieb Moby Dick. Auch Kim Jong-Un tut, was er kann.

Jens Bircherod aber, Bischof in der norddänischen Stadt Aalborg, hatte Unsterblichkeit wohl kaum im Sinn, als er sich vor mehr als 300 Jahren auf seine Latrine setzte und ein Häufchen machte für die Ewigkeit. Wahrscheinlich hätte er nichts dagegen gehabt, im 21. Jahrhundert der Wissenschaft zu dienen. Aber mit seinem Darminhalt?

Genau das ist ihm nun passiert. Während ihrer Recherchen zu den Wanderbewegungen der dänischen Bevölkerung zwischen Anfang des 15. und Ende des 17. Jahrhunderts fanden Archäologen in den Archiven des Moesgaard-Museums bei Aarhus in einer Kiste eine ungewöhnliche Preziose. Sie war bereits 1937 ausgegraben worden und sieht aus wie ein kakaoreicher Cookie, entpuppte sich aber als menschliche Fäkalie. Dass sie sich aufgrund des damaligen Fundorts einer Person zuordnen lässt, ist ein historischer Glücksfall. Während sich im 17. Jahrhundert meist eine große Zahl von Menschen ein Örtchen teilen musste, war die Latrine des Bischofs nur für ihn und seine Frau reserviert. Der Archäologin Jette Linaa und ihren Kollegen gelang es, die Urheberschaft des Fundstücks auf "diese eine Person" einzugrenzen. Die Ausscheidung macht es nun möglich: Der Speiseplan des Kirchenfürsten wird rekonstruiert.

Der Bischof, Bewohner des Gutshauses von 1694 bis 1708, pflegte himmlisch zu speisen. Während weltliche Dänen damals vor allem Schweinefleisch, Graubrot und Kohl futterten, verwöhnte sich der ehrwürdige Kleriker mit internationalen Köstlichkeiten. Er aß Weintrauben, Feigen und Nüsse. Den Buchweizen ließ er sich von seinem Geburtsort liefern, der dänischen Insel Fünen. Köstliche Beeren stammten aus Norwegen, und den Weg eines ganz erhaltenen Pfefferkorns in der bischöflichen Fäkalie konnten die Forscher bis nach Indien zurückverfolgen.

Offenbar pflegte das Küchenpersonal des Geistlichen auf dem Aalborger Markt zu shoppen – einem Ort, wo reiche Händler aus Deutschland und den Niederlanden exklusive Waren feilboten. Der Bischof war "Teil der Upperclass", verriet die Archäologin Linaa der BBC. Dass er tatsächlich zur feinen Gesellschaft gehört hatte, bewies Jens Bircherod der Nachwelt – wenn auch unfreiwillig – allein mit einer kleinen Hinterlassenschaft. Andere mussten dafür eine Pyramide bauen.