Lieber Conor,

wobei: Ich schreibe besser nicht "Lieber". Du bist mir zwar lieb, aber das Wort passt nicht zu Dir, auch wenn ich gern glauben will, dass Du im Grunde ein feiner Kerl bist.

Du bist Faustkämpfer. Natürlich ist das nicht Deine offizielle Berufsbezeichnung, da bist Du Feder- und Leichtgewicht-Champion im Ultimate Fighting Championship, UFC. Will sagen, ein filigraner Mann, der Körper hart, schmal und leicht, wie aus Draht und Federn gesponnen. Und Du steigst regelmäßig in einen Käfig, um Dich dort zu prügeln. Es ist fast alles erlaubt in diesem Käfig: Treten, Würgen, Stöße mit dem Knie oder mit dem Ellenbogen. Aber Du bist, wenn Du kämpfst, fast ausschließlich Faustkämpfer.

Rollst aus Deinen Schultern und Hüften heraus, als hättest Du doppelt so viele Gelenke wie die anderen. Wechselst leicht und ohne Anstrengung die Führhand. Du fließt, wie Bruce Lee es mal gesagt hat: "Be water, my friend." Du wirkst beinahe entrückt im Ring. Ich kenne für Deine Erscheinung im Grunde nur ein Wort: Schönheit.

Ist merkwürdig. Ich bin selbst eher der Typ Brillenträger, weißt Du, und wenn sich zwei schlagen, kann ich das schnell hässlich finden. Aber wenn Du kämpfst, ist es für mich, entschuldige, aber wirklich, es ist wie Ballett. Du schlägst nie blind, sondern schlägst und triffst, und Deine Gegner sehen oft so erschrocken aus dabei, als begriffen sie gar nicht, was passiert, obwohl es doch schon so vielen vor ihnen passiert ist.

Vor ein paar Wochen, als Du gegen Eddie Alvarez gewonnen hast, da hast Du mitten im Kampf die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Es war kein Hohn, glaube ich, es war eher Verzweiflung: Gibt es wirklich keine Gegner? Und Alvarez hat sich trotzdem nicht getraut, Dich anzugreifen. Du hast ihn in der zweiten Runde k. o. gehauen, mit chirurgischer Präzision. Alvarez trainiert hart. Er war bis zu diesem Kampf der Champ. Er hat oft gesiegt. Aber er ist am Ende wie all die anderen Kämpfer. Und nicht so wie Du: begnadet.

Oft denke ich: Du bewegst Dich wie ein Mensch, dessen Denken nicht zwischen ihm und seinem Körper steht. Irgendwie tröstet mich das. Der Mensch, das sehe ich in Dir, kann als körperliche Präsenz so schön sein und so präzise und so kalt und stark wie ein Löwe, wie ein Ferrari, wie eine Gottesanbeterin.

I love you for that.

Alard