Das Tolle an einem Gipfeltreffen ist auch gleichzeitig sein größtes Problem: Es kommen die Spitzen der Gesellschaft; die Bundeskanzlerin, das halbe Bundeskabinett, Vorstandschefs, wichtige Professoren. So war das vergangene Woche beim "Nationalen IT-Gipfel" in Saarbrücken, der sich mit "Lernen und Handeln in der digitalen Welt" befasste. Großes Trara, volle Hütte, und Vizekanzler Sigmar Gabriel fragte rhetorisch: "Warum gibt es einen Gipfel zur digitalen Bildung nicht schon seit Jahren?"

Klar: Es wäre gut, wenn die Spitzen dieser Gesellschaft häufiger darüber diskutieren würden, wie die Digitalisierung Kindergärten, Schulen und Universitäten verändert (nämlich stärker, als viele denken, und meist zum Guten). Doch ein jährliches Gipfeltreffen wird nichts bringen, wenn dort die "Gigabit-Gesellschaft" beschworen wird – aber zwischen all den Gipfeln die Ängste vieler Menschen vor der "Gigabit-Gesellschaft" keine Rolle spielen.

Wie groß die deutsche Digitalangst ist, zeigt eine neue Studie der Körber-Stiftung: Nur jeder Zweite mit Abitur und nur jeder Vierte mit Hauptschulabschluss sieht für sich selbst Chancen in der Digitalisierung. Etwas höher schätzen die Befragten die Chancen für die Gesellschaft ein. In anderen Umfragen äußern sich Menschen oft optimistischer über ihre persönliche Zukunft als über die Zukunft der Gesellschaft. Dass es hier umgekehrt ist, zeigt, wie groß die Besorgnis ist.

Vollkommen normal ist, dass sich bei einer so großen Umwälzung wie der Digitalisierung viele Trucker vor selbstfahrenden Lastern fürchten und viele Uni-Dozenten vor "Jill Watson", einer künstlichen Lehrassistentin auf Basis des Supercomputers Watson, die in Atlanta im Einsatz ist. Diese Ängste nimmt man ihnen aber nicht, wenn man auch auf dem nächsten Gipfel nur über Investitionen und die Jobs der Zukunft redet.