Getarnt als Transparenz-Kampagne des Internetkonzerns Facebook ("Mache Facebook zu deinem Facebook"), ist an Bushaltestellen gerade eine große Fotoausstellung zu sehen. Nennen wir sie: Der deutsche Konsument – Wesen und Neigung . Der deutsche Konsument wird hier gezeigt in all seinen schillernden Facetten, also als unangenehmer Nörgler. "Privatkram mit 500 'Freunden' teilen? Echt nicht", sagt er trotzig – auf dem Plakat in Gestalt einer jungen Dame, die ihren Jutebeutel fest umklammert, weil sie Dreistigkeit mit Selbstbewusstsein verwechselt, wie jeder Konsument. "Echt nicht" ist seine liebste Wendung, neben "Geht gar nicht". Service-Wüste DB? Geht gar nicht. Zu wenig Knusper im Knusper-Müsli? Geht gar nicht. Versteckte Kosten im Handytarif? Geht ECHT gar nicht. Obwohl es ja erkennbar doch geht.

"Ich habe mal etwas gepostet, was ich nie, nie, nie hätte teilen sollen", spricht eine andere Facebook-Nutzerin vom Plakat herab, verrät aber nicht, was. Stolz guckt sie trotzdem, mit jedem "nie" spürt sie sich endlich wieder, denn der deutsche Konsument kommt erst zu sich, wenn er andere warnen darf, aus eigener Erfahrung, weil auch er ein Opfer war. Er meckert nicht nur, er muss auch konstruktive Gegenvorschläge machen. So wie der auf dem Bürgersteig radelnde Fahrradfahrer überall auf der Welt schlicht mit wüsten Beschimpfungen überzogen wird, man ihm in Deutschland jedoch den Hinweis mitgibt, "DA DRÜBEN" sei der Fahrradweg – so hat sich auch Facebook auf uns eingestellt. Wir machen gern Fehler, wir blamieren uns mit Freude und treten alles kaputt. Solange wir nur später andere an Bushaltestellen zurechtweisen dürfen.