DIE ZEIT: Frau Dallmann, Herr Graf, Sie haben Ihre Tochter Raute genannt, nach dem HSV-Logo. Wie kam’s?

Alexander Graf: Ich habe immer gesagt, wenn ich mal ein Kind bekomme, heißt es Raute. Selbst bei einem Jungen hätte ich ihm den Zweitnamen gegeben.

ZEIT: Warum?

Graf: Ich bin als Rothose geboren, war mit fünf das erste Mal im Stadion, bin überall mit hingefahren, Russland, Korea. Da wird man süchtig. Die Raute bestimmt das Leben.

ZEIT: Von Anfang an mit dem Namen einverstanden gewesen, Julia?

Julia Dallmann: Total! Wir sind alle HSV, die ganze Familie.

ZEIT: Wann haben Sie es den Eltern erzählt?

Dallmann: Wir waren im Urlaub in Dänemark, saßen abends zusammen, da geht’s immer um Fußball, und Alexander meinte so: Unsere Tochter heißt Luisa-Raute.

ZEIT: Die Reaktion?

Graf: Alle begeistert!

Dallmann: Man ist ja auch stolz, wenn man die Raute sieht.

ZEIT: Vor der Geburt haben Sie den Namen aber für sich behalten?

Dallmann: Nur die Familie wusste Bescheid.

ZEIT: Erzählen Sie von der Geburt.

Dallmann: Es war der 19. September, ein Montagabend ...

Graf: ... am Dienstagabend spielte der HSV in Freiburg.

Dallmann: Nachts begannen die Wehen, um halb fünf waren wir im Krankenhaus.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016.

Graf: Als wir in den Kreißsaal kamen, war das wie im Stadion, wenn Julia in Höchstform ist. Nebenan lag schon eine andere Frau in Wehen. Die schrie. Aber gegen Julia mit ihrem Westkurven-Organ hatte sie keine Chance. Raute hat das Ding locker gewonnen, die war mit der Geburt schneller, um 7.01 Uhr war sie da.

ZEIT: Was haben Sie als Erstes gemacht?

Graf: Ich habe die Familie angerufen und gesagt: Es ist Raute. Die sind total ausgeflippt, dass wir das wirklich machen. Bei meinem Papa waren auch Tränen dabei. Dann bin ich aus dem Kreißsaal raus und habe den HSV-Mitgliedsantrag ausgefüllt. Da habe ich zum ersten Mal Raute als Namen meiner Tochter geschrieben. Gigantisches Gefühl, weil ich weiß: Für unsere Raute müssen wir uns niemals schämen.

ZEIT: Wie haben die Leute im Krankenhaus auf den Namen reagiert?

Dallmann: Der Chefarzt fragte: Wie heißt die Kleine denn? Ich so: Luisa-Raute. Er: Raute? Ich sag: Na, wegen HSV. Er so: Ja wie? Soll ich meine Tochter jetzt Geißbock nennen?

Graf: (lacht) Guter Spruch von dem Mann! Der hat das mit Humor genommen, das war schön. Aber wir haben auch viele üble Reaktionen bekommen auf Facebook, dass wir Hartz-IV-Hooligans seien. Das ist ohne Worte.

(Raute fängt an zu schreien)

Graf: (nimmt sie auf den Arm) Ach, Mausel, nur der HSV! (Er fängt an zu singen): Wir gewinnen, wir gewinnen, wir gewinnen so-wie-soooo!

ZEIT: Ist das ihr Gutenachtlied?

Graf: Klar. Und Hamburg, meine Perle.

ZEIT: Was war das erste Kuscheltier?

Dallmann: Der HSV-Dino natürlich.

ZEIT: Ein Wort zur aktuellen Lage?

Graf: Furchtbar. Aber ich bin total überzeugt, dass der HSV in der Bundesliga bleibt, noch mehr nach dem Unentschieden gegen Hoffenheim. Wenn die endlich so kämpfen wie meine Altherrenmannschaft vom Barsbütteler SV, wird das was. Außerdem haben sie ja jetzt einen Glücksbringer, unsere Raute.

ZEIT: Was verbieten Sie Raute?

Graf: Einen Bremer als Freund. St. Pauli wäre schon brutal, aber niemals einen aus der verbotenen Stadt.

Am 20. September 2016 kam Luisa-Raute zur Welt. Sie lebt mit ihren Eltern Julia Dallmann und Alexander Graf in Farmsen. Der Name ist eine Abkürzung von Rauthgundis und wurde daher vom Standesamt akzeptiert.