Merkwürdig, dass wir gar nicht genug kriegen können vom Stoff der späten sechziger Jahre. Einer Zeit, deren Ungerechtigkeiten wir heute für himmelschreiend, deren Revolutionen wir für sexy halten. Verdrängen wir in der Illusion, damals habe sich alles zum Besseren verändert, das Gefühl, heute wende sich vieles wieder zum Schlechteren? Oder erinnern wir uns so gern, wie weit wir im Kampf um Gleichberechtigung gekommen sind, damit uns nicht die Puste ausgeht? Ist ja längst nicht alles geschafft, und tatsächlich muss in nächster Zeit wieder vermehrt mit Rückschlägen gerechnet werden.

Da verkriechen wir uns lieber mit den zehn Folgen der Amazon-Serie Good Girls Revolt, einer feministischen Revision des Büro-Plots von Mad Men: Die Reporterinnen eines Wochenmagazins verbünden sich, um einen Arbeitsrechtsprozess anzustrengen. Denn unter den Texten, für die sie recherchieren, stehen am Ende immer nur die Namen ihrer Kollegen: Nur Männer gelten als Edelfedern, Frauen dürfen nicht schreiben. Das war immer so, das ist Stil des Hauses, bescheidet man ihnen, als sie aufbegehren.

Die Serie basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Lynn Povich, einer von 46 Journalistinnen, die 1970 ihre Arbeitgeber des New Yorker Newsweek-Magazins wegen Diskriminierung verklagten. Die fiktionalisierte Version zeigt, wie den Frauen erst allmählich bewusst wird, dass sie handeln müssen, wenn auch jede ihre eigenen Vorbehalte hegt. Und sei es nur die höfliche Scheu davor, sich gegen die eigenen Kollegen zu stellen.

Denn die meisten Männer bei der fiktiven News of the Week sind durchaus keine Gegner, sondern Freunde, Liebhaber, Förderer, bewunderte Kollegen. Mit der Hilfe der Frauen schreiben sie Geschichten über die Bürgerrechtsbewegung oder den wilden Streik der Postangestellten und lassen sich den Wind der Veränderung um die Nase wehen. Auf bezeichnende Weise sind sie dennoch blind für die Ungerechtigkeiten, die ihr Leben so viel leichter und interessanter machen als das ihrer Kolleginnen – genau wie eine der Heldinnen sich scharf von einer schwarzen Kollegin darüber aufklären lassen muss, dass das Aufbegehren für die weißen Mädchen doch deutlich einfacher ist als für schwarze Frauen.

Durch Good Girls Revolt wird einem bewusst, dass es immer viele gute Gründe gegeben hat, den Status quo für den besten aller möglichen Zustände zu halten. Damals wie heute, denn die Schwerkraft des Bestehenden ist ja leider kein historisches Phänomen. Und so wirkt die zentrale Frage, der sich die Frauen bei News of the Week stellen müssen, topaktuell: Birgt es mehr Risiken für ein glückliches Leben, alles so zu lassen, wie es ist, oder ist es gefährlicher, Veränderungen zu erzwingen? 

"Good Girls Revolt" läuft auf Amazon Prime