Für Achtsamkeits-Männer: "Wolf"

Was ist das für ein Heft?

Im Zeitschriftengeschäft werden die Zielgruppen spitzer. Nach Barbara, dem Magazin für Frauen, die keine Frauenmagazine lesen, erscheint jetzt ebenfalls im Gruner + Jahr-Verlag Wolf, das Magazin für Männer, die keine Männermagazine lesen. "Permanent in unserem Aston Martin unterwegs vom Gin-Tonic-Gelage mit Supermodels zum Hochseeangeln in der Karibik", schreibt die Redaktion, "leben wir wirklich so?" Das ist ein Seitenhieb gegen publizistische Platzhirsche wie Playboy, GQ und Esquire, der etwas verkniffen wirkt. Denn zumindest die klugen amerikanischen Ausgaben dieser Hefte ironisieren die Glamour-Fantasien immer auch. Wolf hingegen ist Ironie fremd, hier geht es um Aufrichtigkeit, Achtsamkeit und, wie es die Redaktion formuliert: "No Bullshit."

Welche Männer lesen das?

Junge, gebildete Großstädter, die Wert auf Street-Food, Möbelklassiker und gut sortierte Plattenläden legen. Die sich zugleich aber danach sehnen, ihre Yoga-Matte aus dem Fjällräven-Rucksack zu holen, an einem Bergsee, irgendwo außerhalb des Handynetzes.

Wie sieht das Magazin aus?

Dickes Papier, Fotos ohne Kunstlicht (gern aus dem Archiv mit etwas Patina), Illustrationen, in denen man noch den Federstrich des Zeichners erkennt: Alles sieht nach gutem, alten Handwerk aus.

Gibt’s Autos?

Auf dem Cover ist ein alter VW-Bus zu abgebildet (vgl. Bergsee). Und im Heft gibt es – aufwendig und liebevoll gemacht – ein Quartett zum Heraustrennen mit Autos aus Hollywood-Filmen: etwa den Pussy Wagon aus Kill Bill, den Ford Falcon GT aus Mad Max und dem Aston Martin aus einem James-Bond-Film. (Moment! Haben die nicht gerade noch über Hefte mit Aston Martins gelästert?)

Gibt’s Nackte?

Nein. Nur Fotos von Box-Ikonen in Feinripp-Unterhemden.

Gibt’s große Reportagen?

Wolf leistet sich lange Essays zu den großen Fragen der kleinen Lebensentwürfe (Soll ich meinen Laptop auch mal zuklappen? Darf ich meine Freundin betrügen?). Außerdem werden Männer porträtiert, die ihren eigenen Weg gehen: als Indie-Verleger, Singer-Songwriter oder Baumhaus-Bastler. In einem Extraheft gibt es die Übersetzung einer ausgezeichneten amerikanischen Reportage über einen Seemann, der eines Nachts über Bord ging und stundenlang im Atlantik ums Überleben kämpfte – Gänsehaut!

Typische Überschriften

Was wirklich zählt, Dem Stress eine reinhauen, Super Burger selber machen

Dürfen da auch Frauen schreiben?

Die Chefredakteurin ist eine Frau. Und die Art-Direktorin. Und die Chefin vom Dienst. Vorbildlich: Wolf ist ein Männermagazin, das die Quote für Frauen in Führungspositionen übererfüllt.

Das Magazin in einem Satz

Wolf ist wie Flow – nur andersrum.

Das Kleingedruckte

140 Seiten plus 32 Seiten Extraheft; 8,50 Euro; Erstausgabe jetzt am Kiosk.