In Halle 12 haben die Matratzenhändler ihre Stände aufgebaut. Sie bieten die Unterlagen in verschiedenen Härtegraden an und mit speziellem Gelenkschutz. Es gibt Matratzen für Schwangere und solche für Gebärende. Zur Wahl stehen Oberflächen für Hygienefanatiker und Ökofreunde. Gekrönt mit einem Innovation Award, präsentiert sich die neu entwickelte Komfortzonen-Liegematte Tarsa aus dem Gummiwerk Kraiburg.

Das Angebot zeigt: Die Kuh von morgen ist gut gebettet. Halle 12 auf dem Hannoveraner Messegelände ist Teil der "Eurotier 2017". Mehr als 2.500 Aussteller aus 57 Ländern zeigen auf über 280.000 Quadratmetern die Zukunft der Tierhaltung. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) als Veranstalterin preist die Messe als "das weltweite Zukunftsforum für moderne Tierhaltung".

Und Moderne wird in Hannover tatsächlich jede Menge geboten. Das Nutztier der Zukunft lebt von der Geburt bis zu seinem Tod in einer voll digitalisierten Umgebung. Es trägt einen Transponder, der registriert, wann es steht, wie weit es läuft, wie lange es liegen bleibt. Bei Kühen wird die Milchleistung dokumentiert (im voll automatisierten Melkstand, den die Kuh bei Bedarf selbst aufsucht), bei Schweinen die Gewichtszunahme (per 3-D-Kamera am Handy). Eier werden schneller nach Größe sortiert, als das Huhn gucken kann.

Roboter streuen Mist ein – und schaffen ihn wieder weg. Sie fixieren Tiere für die Klauenpflege und reinigen die Futtersilos. "Wir glauben an den technologischen Fortschritt des Schweinefleischsektors", haben die Spanier der Firma Rotecna in großen Buchstaben über ihren Stand geschrieben.

Ein paar Hallen weiter zeigt sich bei foodmate aus den Niederlanden, dass die Automatisierung mit dem Tod noch lange nicht haltmacht. Die Niederländer vertreiben weltweit Anlagen, in die man vorn ein Hähnchen hineinsteckt und hinten, fein säuberlich getrennt, Brustfilets, Schenkel und Keulen herausbekommt. Ein Hähnchen? 36.000 Hähnchen – pro Stunde.

Schnelligkeit, Menge, Effizienz: Das sind die Treiber der Innovation in der Tierhaltung. Im Großen wie im Kleinen. Die Firma Schippers aus Belgien etwa hat einen fahrbaren Stand für die "Erstbehandlung" von Ferkeln gebaut, kaum größer als ein Einkaufswagen. In einem Arbeitsgang können die Tiere hier geimpft, mit Medikamenten versorgt und mit Ohrmarken versehen werden. Mit einem glühenden Messer wird ihnen der Ringelschwanz kupiert. Ein Gebläse treibt die dabei entstehenden Grillgerüche vom Stallarbeiter weg – "damit der nicht immer am Barbecue steht", wie ein Mitarbeiter augenzwinkernd bemerkt.

Den Schweinealltag im Stall steuert Once Innovation aus dem US-amerikanischen Plymouth anschließend mit einer ausgeklügelten Leuchtdioden-Show. Fährt das Licht elektronisch geregelt hoch, stehen die Schweine auf und beginnen zu fressen, fährt es wieder herunter, legen sich die Tiere hin. "Dim to calm" (etwa: Abdimmen zur Beruhigung) lautet das geschützte Warenzeichen des Systems.

Manche Landwirte, so erzählt man sich hier voller Stolz, hätten schon eigene Lichtmuster entwickelt. Mit der ausgeklügelten Performance würden sie ihre Tiere in jeder Stunde für fünfzehn Minuten auf die Beine und an die Futtertröge bringen. Das sei gut für das Wachstum.

Sensoren, Aktoren, Rotoren, Elektromotoren, Schaltkreise, Dioden, Regelwerke – auf den ersten Blick wird die Tierproduktion immer weniger menschlich betrieben, sie wird kälter, kontrollierter, präziser, effizienter. Immer weiter weg rückt jene bäuerliche Idylle, an die mancher Städter denkt, wenn er Eier, Milch und Wurst im Supermarkt kauft.